Und täglich grüßt das Murmeltier

In dieser Woche wurde am 2. Februar der Murmeltiertag gefeiert. Der Legende nach sagt seit 1887 das Murmeltier „Phil“ jedes Jahr in Punxsutawney/USA voraus, ob es weitere sechs Wochen Winter gibt oder bald Frühling geben soll. Jedes Jahr aufs Neue, eine „never ending story“. Und was erwartet uns 2026? Ein „Weiter so“ oder Neues?

„Groundhog Day“

Die Geschichte des „Groundhog Day“ geht auf das Jahr 1887 zurück (der Überlieferung nach sollen deutsche und niederländische Auswanderer daran beteiligt gewesen sein). Seitdem wird jedes Jahr am 2. Februar am „Gobbler’s Knob“, einem Waldstück außerhalb von Punxsutawney im US-Bundestaat Pennsylvania, das Murmeltier „Phil“ zum Sonnenaufgang gegen 07:20 Uhr aus seinem Bau geholt und „befragt“, ob es beim Erwachen seinen Schatten gesehen hat oder nicht. Schatten bedeutet, es stehen weitere sechs Wochen Winter bevor. Kein Schatten: Dann soll der Frühling bevorstehen.*

„Never Ending Story“ als „religiöse Allegorie“

Jedes Jahr die gleiche Frage, eine „Never Ending Story“, die sogar 1993 im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray und Andie MacDowell auf die große Leinwand gebracht worden ist. Von buddhistischen, jüdischen und christlichen Gelehrten wird der Film als „religiöse Allegorie“ bezeichnet, wie Wikipedia berichtet, da der Mensch eine gewisse Zeit benötigt, um ein „guter Mensch“ zu werden. Im Buddhismus werden dafür 10.000 Jahre angesetzt, damit die Seele durch Reinkarnationen zur „Perfektion“ gelangt.

Im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ endete die Zeitschleife, als der Hauptdarsteller Bill Murray ein „besserer Mensch“ wurde. Dafür benötigt er etwa 12.400 Tage oder 34 Jahre (im Filmkonzept war ursprünglich von 70–80 Jahren die Rede gewesen). Auf jeden Fall genügend Zeit, um Neues zu lernen, wofür nach Autor Malcom Gladwell (in „Outlier“/„Überflieger“, 2008) in etwa 10.000 Stunden benötigt werden. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) wird diese Zeitspanne wahrscheinlich zukünftig kürzer werden, aber gleichzeitig auch die Herausforderung steigen. Denn in der Frage nach Exzellenz gilt mehr denn je KI: Qualität und eigener Stil gehen vor Schnelligkeit und Masse.

„Learning by doing“

Wenn ich an die Gespräche über Veränderungen denke, zum Beispiel in Deutschland, im Vatikan oder weltweit, für faire Behandlung, Frauenrechte, Umweltschutz, KI oder eine offener gestaltete Kirche in den vergangenen Jahren zurückblicke, sehe ich eine Geschichte, die nie endet. Irgendwie kommt das Gefühl auf, das haben wir doch alles schon mal gehört oder diskutiert. Und eigentlich dachten wir, wir seien schon einen Schritt weiter. Die Zeit und die Menschen haben sich seit der Filmveröffentlichung 1993 geändert, aber dennoch erleben wir immer wieder solche „Murmeliertage“.

Es ist gut, neue Dinge zu lernen und auszuprobieren (wozu ich als „Early Adopter“ persönlich auch neige), und es ist ein Geschenk, genügend Zeit zu haben, um eine Fertigkeit (neu) zu erlernen. Doch bei allem Lernen sollten wir nicht vergessen, dass man nicht allein durch Studium und „Trockenübungen“ ein/e Meister:in wird, sondern vor allem durch Ausprobieren. „Learning by doing“, wie Lord Robert Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinder:innenbewegung, es im Buch „Scouting For Boys“ (1908) erstmals benannte.

Fazit: Die Zeit des Winterschlafs ist vorbei

Der „Groundhog Day“ in dieser Woche sollte für uns ein Signal sein: Die Zeit des Winterschlafs ist vorbei. Wir haben genügend geruht, gelesen und gelernt. Denn in Staat, Gesellschaft und vor allem auch in der katholischen Kirche ist viel zu tun. Die sechste Synodalversammlung des Synodalen Weges endete vor einer Woche in Stuttgart: Im Gepäck 15 Beschlüsse und jede Menge „To Do“-Aufgaben. Für die Gemeinden und Pfarreien „vor Ort“, für die (Erz-)Bistümer und die Weltkirche. Dabei werden keine 10.000 Stunden benötigt, um sie zu erlernen. Denn es zählt nicht die Perfektion, sondern jetzt gilt:

Mut für Neuerungen und keine Angst vor dem Scheitern!

#Videotipp Aufzeichnung des Murmeltiertags 2026 in Punxsutawney/USA bei YouTube, auf der man die Prognose von „Phil“ für dieses Jahr sehen kann: https://www.youtube.com/watch?v=YnYYYKEUOTI

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)