Das Fenster für Reformen steht offen

Wie wird es mit den Reformen in der katholischen Kirche weitergehen und ist das Glas nach sechs Jahren „Synodaler Weg“ nun „halb voll“ oder „halb leer“? Diese Fragen wurden auch bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in dieser Woche beraten. In Würzburg wurde deutlich: Das Fenster für Reformen steht offen und alle Blicke richten sich nun in den Vatikan. Wird es dort Rücken- oder Gegenwind für den deutschen Reformweg, der „kein Alleingang oder Sonderweg“ sein will, geben?

Bischof Wilmer: „Glas ist halb voll“

In der Abschlusspressekonferenz zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz betonte der neu gewählte Vorsitzende Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Hildesheim) auf kath.de-Anfrage im Hinblick auf die Reformen in Deutschland: „Ich denke, das Glas ist halb voll“. Der Nachfolger von Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg) bestätigte gegenüber kath.de, dass die Bischöfe hinter der „Synodalkonferenz“ stehen, die ab November 2026 erstmals mit Vertreter:innen aus DBK, ZdK und hinzugewählten Einzelpersonen tagen soll. Zuvor wird allerdings noch eine „Recognitio“ (Anerkennung) aus dem Vatikan benötigt. Dafür hat die Bischofskonferenz mit der Zustimmung zu dessen Satzung (das Abstimmungsergebnis wurde nicht kommuniziert) jetzt die formalen Voraussetzungen geschaffen. Das ZdK hatte bereits am 28.11.2025 zugestimmt.

DBK: kein deutscher Alleingang oder Sonderweg

„Wir stehen in einer Linie mit der Weltkirche und wollen keinen deutschen Alleingang oder Sonderweg“, betonte DBK-Vorsitzender Wilmer in Würzburg und verwies dabei auch darauf, dass die Prozesse auf der Grundlage des Kirchenrechts erfolgen. Wilmer kündigte zudem an, persönlich nach Rom zu reisen, um sich dort mit dem Vatikan zu beraten. Wann mit einer Entscheidung aus dem Vatikan zu rechnen ist, ist derzeit noch offen. Zum Katholikentag 2026 wird allerdings Kardinal Grech nach Würzburg kommen, wie die DBK mitteilte. Vielleicht eine gute Chance, um letzte offene Punkte zu besprechen?

Mehrheit der Lai:innen und Bischöfe ist für Reformen

Die letzte Synodalversammlung des „Synodalen Weges“ hat im Februar 2026 das Thema Reformen in der katholischen Kirche noch mal prominent auf die Tagesordnung gesetzt. Auch die Frage, ob das Glas nach sechs Jahren „halb voll“ oder „halb leer“ ist, wird von ZdK, DBK und Reformgruppen unterschiedlich beantwortet. In Stuttgart und jetzt in Würzburg wurde deutlich: Bei der Mehrheit der Lai:innen sowie der Bischöfe ist der Wille für Reformen da, das belegt auch die letzte Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung klar.

In Würzburg haben die Bischöfe „grünes Licht“ für die Satzung der zukünftigen „Synodalkonferenz“ gegeben, auch wenn mehrere Bischöfe bisher ihre Teilnahmen an dem Gremium ablehnen. Aber vielmehr als diese formale Hürde auf dem Weg zur „Recognitio“ aus Rom dürfte die Wahl des neuen DBK-Vorsitzenden Rückenwind für die Reformen geben. Gegenüber Medienvertreter:innen betonte Dr. Heiner Wilmer SCJ wörtlich: „Ich möchte zwischen den Anliegen vermitteln, Brücken bauen und Gräben zuschütten.“ Wenn es ihm gelingen sollte, alle Diözesanbischöfe an den Tisch der „Synodalkonferenz“ zu bringen, wäre schon ein Bein durch das Reformfenster gesetzt.

Das zweite Bein durch das Reformfenster könnte folgen, sobald der Vatikan „grünes Licht“ für die Synodalkonferenz gibt. Nach den bisherigen intensiven Bemühungen zwischen Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) und dem Vatikan scheint eine Zustimmung wahrscheinlich(er). Papst Leo setzt den Weg zu einer synodalen Kirche, den sein Vorgänger Papst Franziskus gestartet hat, mit eigenen Akzenten fort. Daher erwartet – nicht nur der Autor –, dass der Pontifex „Ja, aber …“ zum Reformweg in Deutschland geben wird. Zumindest „auf Probe“. Denn die Umsetzungsphase der Weltsynode, die bis Ende 2026 die Erprobung synodaler Strukturen in den Ortskirchen vorsieht, bietet dafür den passenden formalen Rahmen.

Fazit: Jetzt das Momentum nutzen!

Das Fenster ist offen. Vielleicht ist es die letzte Chance, um den Reform-Befürworter:innen zu zeigen, dass den Beschlüssen des Synodalen Weges (nachzulesen auf https://www.synodalerweg.de/service/aktuelles/meldung/flyer-zum-synodalen-weg-veroeffentlicht) auch Taten folgen. Und gegenüber den Reform-Gegner:innen könnte verdeutlicht werden: Wir nehmen eure Bedenken ernst, aber „nichts ist so beständig, wie der Wandel“ (Heraklit) und nur gemeinsam mit „allen Menschen guten Willens“ sind Veränderungen möglich. Also, das Momentum für Reformen ist da, nutzen wir es! Mit Mut, wie es das Leitwort des Katholikentags 2026 in Würzburg betont: „Hab Mut, steh auf!“

Lesetipp aus unserem Partnerportal explizit.net: https://explizit.net/monatsthema/artikel/synodaler-weg-wie-voll-ist-das-glas/

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)

P.S.: Schnaubelt hat für die Portale kath.de und explizit.net von der sechsten Synodalversammlung in Stuttgart und der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg vor Ort berichtet. Weitere Texte gibt es auf https://explizit.net/monatsthema/.