Kinderarbeit ist „moderne Sklaverei“

Eigentlich war es das Ziel, Kinderarbeit 2025 weltweit zu beenden. Doch das Ziel wurde laut Unicef gerissen und Kinderarbeit ist weiterhin eine Form von „moderner Sklaverei“. Die vor Kurzem beendete Aktion Dreikönigssingen 2026 machte deutlich, dass Kindermut alle angeht und ein „Verbrechen gegen die Menschheit“ (Papst Franziskus) ist.

„Die Weltgemeinschaft hat ihr Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, nicht erreicht. 138 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren arbeiten, 54 Millionen von ihnen unter besonders gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Produkte aus Kinderarbeit gelangen auch in Deutschland in den Handel“, betonte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Aachen.

Die Aktion Dreikönigssingen 2026 endete am gestrigen 17. Januar mit Dankesfeiern und Gottesdiensten in mehreren Bistümern. Die Sternsinger:innen machten unter dem Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ und mit dem Beispielland Bangladesch darauf aufmerksam, dass „ausbeuterische Kinderarbeit Kinderrechte verletzt und international verboten ist“ (Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit).

Laut UNICEF sank zwar zuletzt die Zahl der Kinderarbeiter:innen zwischen 2020 und 2024 um 22 Millionen, aber die Maßnahmen für das Ende der Kinderarbeit weltweit müssen um das Siebenfache gesteigert werden, wenn die neu gesetzte Zielmarke 2045 erreicht werden soll (Kinderarbeit weltweit: Die wichtigsten Fragen und Antworten).

„Geißel, die ausgerottet werden muss“ (Papst Franziskus)

Kinderarbeit ist laut der „bpb“ ein Beispiel der vielfältigen Formen von „moderner Sklaverei“ (Moderne Sklavereien), die zwar oft übersehen, aber allgegenwärtig ist. Doch wer kann etwas dazu beitragen, Kinderarmut als „Geißel, die ausgerottet werden muss“ (Papst Franziskus) zu bekämpfen?

Einerseits ist es an den Parteien im Bundestag, dies zu ändern. Zum Beispiel durch die Zustimmung zu einem schärferen EU‑weiten „Lieferkettengesetz“, um die Rahmenbedingungen gegen Ausbeutung und für fairen Handel zu schaffen. Leider hat Deutschland (auf Druck der FDP in der damaligen Ampelkoalition) eine Verschärfung verhindert. Doch das „Reißen“ des Ziels, Kinderarbeit bis Ende 2025 weltweit zu beenden, sollte die Politiker:innen in Berlin und Brüssel dazu animieren, noch einmal neu dazu zu verhandeln.

Andererseits sind Firmen in Deutschland gefragt. Denn das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet seit dem 01.01.2024 Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten und mit Sitz in Deutschland, ihre gesamten Lieferketten auf Verstöße zu überprüfen und ansonsten Abhilfe zu schaffen. Analysen zeigen aber, dass es bislang an der Durchsetzung hapert: Bis Ende August 2025 wurden in hunderten beschwerdebasierten Verfahren keine Bußgelder verhängt, obwohl das Gesetz Sanktionen vorsieht.

Und zu guter Letzt liegt es auch an uns, den Verbraucher:innen, beim Kauf an der Ladentheke oder online, Verantwortung zu übernehmen. Denn in einer Marktwirtschaft gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Und wenn die Nachfrage, wie bei „Bio“-Produkten, steigt, werden auch mehr „faire“ Produkte in den (virtuellen) Regalen auftauchen. Allerdings ist der Trend gerade eher anders, denn für Anbieter wie Temu und Shein hat sich Deutschland zum wichtigsten Markt in der EU entwickelt (Deutschland ist der wichtigste europäische Markt für Temu und Shein).

Es braucht den Willen zur Veränderung

Fazit: Aus dem einstigen „Vorzeigeland“ Deutschland ist aktuell ein „Bremser“ in Fragen des (EU‑)Lieferkettengesetzes und des Klimawandels geworden. Dies muss sich wieder ändern, wenn Deutschland (und die EU) nicht nur weiter eine führende Stellung im Welthandel einnehmen will, sondern auch wieder als Innovator „vorangehen“ möchte.

Ein erster Schritt wäre, das deutsche Lieferkettengesetz konsequent umzusetzen und die Entwicklungshilfe nicht zurückzufahren bzw. auf Krisenherde oder Länder mit deutschen Interessen zu verlagern (wie diese Woche durch Ministerin Reem Alabali Radovan angekündigt wurde) und UNICEF bei der Bekämpfung von Kinderarmut, die Papst Franziskus als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezeichnet hat, stärker zu unterstützen.

Es braucht zudem den Willen, Geschäftsmodelle zu ändern, die auf systematischer Ausbeutung – auch von Kindern – beruhen, um strukturell Kinderarmut zu bekämpfen. Dabei sollten deutsche und europäische Firmen entschieden vorangehen. Dies ist nicht nur eine Frage der Sozialethik und der Moral, sondern auch eine wirtschaftliche Frage. Denn in Befragungen sagen immer mehr Verbraucher:innen, dass auch die soziale Verantwortung und das Handeln der Firmen bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen und dass sie mehr dafür ausgeben würden (Deutsche zahlen mehr für fair produzierte Lebensmitte).

Es zeigt sich also einmal mehr: Es braucht den Willen zur Veränderung, denn die Mittel zur Veränderung sind schon alle da!

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)