Kann der Papst anders?

Die deutschen Katholiken gehen einen Synodalen Weg. Die Bistümer aus den Staaten der Amazonasregion sind ihn gegangen. Sind Zölibat und Frauenpriestertum die Lösung? Selbst wenn sie es wären, kann der Papst dafür den Weg freimachen?

(Foto: Glavo auf Pixabay)

Die Medien sind sich einig: Der Papst blockiert die Reformvorschläge. Aber welche Reformen genau? Dass der Lebensraum der indigenen Völker geschützt werden muss? Dass Ihnen das Land gehört und nicht den Konzernen, die Holz und Bodenschätze auf Kosten des Ökosystems abbauen? Dass die Gemeinschaften in der Entwicklung ihrer Kultur unterstützt werden? Aus deutscher Sicht sind es Zölibat und Priestertum der Frau, die die Probleme der Kirche im Amazonasgebiet lösen würden. Aber sie würden noch nicht einmal den Zerfall der deutschen Kirche aufhalten.

Der Papst würde die Kirche spalten

Würde der Papst Änderungen für Lateinamerika freigeben, hätte das Rückwirkung auf die ganze Kirche. Wer immer erwartet, dass ein Papst das "könne", hat nicht mitbekommen, was der Brexit für England bedeutet. Der Papst kann nicht mit 51% die Kirche leiten. So etwas kann nicht von oben eingeführt werden, es braucht den Konsens der ganzen Kirche. Hätte der Papst hier ein Signal gesetzt, dann wäre nicht das Ökosystem Amazonas Thema geworden, sondern eine Problematik der Industriegesellschaften. Aber sind deren Konzerne nicht für den Zusammenbruch der Lebenswelt der indigenen Bewohner dieser Lunge des Weltklimas verantwortlich? In den siebziger Jahren hätten deutsche Katholiken ganz andere Konsequenzen gezogen, nämlich Druck auf die hiesigen Konzernzentralen auszuüben, das Ökosystem Amazonas nicht weiter zu zerstören. Siebzehnjährige haben dafür einen Blick, die Silverhairs, die die deutsche Kirche retten wollen, können nicht mehr global denken. Es berührt deutsche Katholiken nicht mehr, dass von dem Raubbau für die dortige Bevölkerung nichts abfällt, diese vielmehr aus ihren angestammten Gebieten herausgedrängt wird, um in den Slums der Stadtränder nur noch zu vegetieren. Wenn schon das Blickfeld so eingeengt ist, dass der hiesige Wohlstand mit seinen sprudelnden Kirchensteuereinnahmen direkt mit der Zerstörung Amazoniens zusammenhängt, sollte doch die Situation in den hiesigen Priesterausbildungsstätten die Synodalen interessieren: Es gibt fast keine Bewerber mehr.

Eine Epoche geht zu Ende

Die von gut ausgebildeten Priestern geleitete Kirche ist am Ende, weil es diese Priester nicht mehr geben wird. Die deutschen Synodalen müssten sich aus ihren Sitzungszimmern hinauswagen und erkunden, was eigentlich los ist. Schon die Idee, mit Sitzungen den rasanten Zerfall der deutschen Volkskirchen aufzuhalten, programmiert das Scheitern. Haben die Diözesansynoden, z.B. in Köln oder Trier, den Aufbruch eingeleitet, den man sich erhofft hatte? Wer die Zölibatspflicht aufweichen will, muss sich klar machen, dass er damit das Priesterbild, das vom Konzil von Trient entworfen wurde, noch schneller abschafft als diejenigen, die daran festhalten. Warum Frauen unbedingt in diese Rolle schlüpfen wollen, ist schwer verständlich. Was treibt deutsche Katholiken dazu, ein Priesterbild, das in den letzten 450 Jahren so vielen Männern, die den Katholizismus von innen her geprägt haben, eine Persönlichkeitsentwicklung ermöglichte, zu zerlegen, ohne eine Alternative bieten zu können? Besonnene evangelische Amtsträger verweisen darauf, dass alles, was Katholiken fordern, in den evangelischen Landeskirchen gegeben ist. Was die Synodalen noch lernen werden: Die Katholische Kirche steht in Deutschland am Ende einer Epoche und muss sich erst einmal auf die Suche nach einer neuen Gestalt machen.

Die Antworten liegen bei den Millennials und der Generation Greta

Die Kirche, die aus dem synodalen Prozess hervorgehen müsste, wäre die für die Altersgruppen unter 35. Die können aber überhaupt nichts mehr mit der Institution und das heißt konkret mit den Hauptamtlichen anfangen. Das ist nicht allein ein Problem der Katholischen Kirche, sondern der Generation, die jetzt über die Stellen und die Geldmittel verfügt. Millennials und „Generation Z“ zögern, das Lebensmodell ihrer Eltern zu übernehmen. Die „Kosten“ für das persönliche Leben sind ihnen zu hoch. Die Jüngeren sind noch in den kirchlichen Räumen, wenn es um Erstkommunion- und Firmvorbereitung geht, aber dann sind sie wieder weg. Was Katholiken „Gemeinde“ nennen, ist eine Sozialform für Ältere. Die Jugend wird aus den Pfarreien in Jugendkirchen ausgelagert, anstatt dass sich die Älteren endlich an einen Tisch mit den Jüngeren setzen. Eine einfache Frage: Sind es die vier Themenfelder, auf die sich der Synodale Weg festgelegt hat, die jungen Menschen daran hindern, sich firmen zu lassen?

Eine neue Kirchen-Gestalt bildet ihre Ämterstruktur heraus

Für die Kirche in der Amazonasregion sollen neue Ämter entwickelt werden. Daraus wird sich auch ein neues Priesterbild entwickeln lassen. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass das Rollenbild immer von dem Kirchenkonzept abhing. In der frühen Kirche hatte jede Stadt einen Bischof und die Priester versorgten die Gläubigen außerhalb der Stadt. Pfarrei –Parochia – bezeichnet im Griechischen einmal „Nachbarschaft“, steht aber auch für Fremde, in der Fremde beheimatet sein. In den mittelalterlichen Städten waren die Ordenskirchen bestimmend, im Barock lebten, wie heute noch in Österreich, viele Priester in Stiften und Abteien zusammen. Es wird nicht nur eine neue Priesterrolle geben, sondern auch die anderen Ämter werden sich auf eine neue Kirche einstellen müssen. Dass dann auch Frauen ihren Platz erhalten müssen, ist dem Papst bewusst. Maria 2.0 hat bereits darauf reagiert.

Dazu:
Maria 2.0 begrüßt Papstschreiben zur Amazonassynode (DOMRADIO.DE, 12.02.2020)
Im Wortlaut: Querida Amazonia von Papst Franziskus (Vatican News, 12.02.2020)
Amazonien - Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie