Deutschland ist voller Baustellen. Es wird auch Neues gebaut, meist jedoch repariert. Die wichtigste wäre die Natur. Diese weiter liegen zu lassen, kommt teuer zu stehen. Das Ganze in einem Raum, der demnächst von Robotern bevölkert und von Künstlicher Intelligenz gesteuert wird. Wie werden die nächsten Generationen leben? Eine Annäherung.
Auch wenn wir unsere Zivilisation reparieren müssen, leben wir immer noch im Fortschrittsglauben. Es ist der Glaube, die Digitalisierung würde die Menschheit in eine bessere Zukunft bringen. Auf jeden Fall fließt das Geld nicht in den Umweltschutz, sondern in den Aufbau von Rechenzentren und in das “Training” von Algorithmen. Es regnet zu wenig, das Thermometer zeigt neue Höchstwerte, das Wasser wird knapp. Wird möglichst bald die Natur zur Aufgabe Nr.1? Schon 2030, wenn die Züge wieder pünktlicher fahren? Dann wird KI viele Abläufe steuern?
Wenn Natur, dann nicht als Rückkehr in eine Romantik, die wir uns mit der Tourismusindustrie für wenige Urlaubswochen leisten, sondern in eine, in der wir nicht nur mit Hunden und Katzen zu-sammenleben, sondern auch mit Robotern. Die Technik bleibt verlockend. Oder wird sie so smart, dass der Schwerpunkt sich auf die Rückgewinnung der natürlichen Ressourcen verlagert?
Diese neue technische Zivilisation wird in einem anderen geistigen Raum Gestalt annehmen. Denn KI wird in der Form von ChatGPT unser „In-der Welt-sein“ verändern. Das Wissen der Menschheit ist bereits zu einem guten Teil im Internet abrufbar. Was noch in Büchern steht, kaufen die Techkonzerne in den Antiquariaten auf. Dieses Wissen wird über die Chatbots mit unserem Gehirn direkt verbunden. Unser Gedächtnis umfasst das Wissen der Menschheit. Schule, Ausbildung, Studium werden in einem ganz anderen Verständnis von Wissen stattfinden. Lernen wird ganz anders funktionieren.
Schon jetzt lässt sich absehen, dass eine Rückkehr zur Natur nicht darin bestehen wird, dass wir die Technik abschalten. Vielmehr werden Roboter unsere Krankenhäuser und Hotels betreiben, selbstfahrende Busse und Taxis mehr genutzt werden als das Auto. Die Chatbots werden viel größere persönliche Investitionen in Nachdenken und Entscheiden erfordern, wenn man sich ihnen nicht ausliefern will. Möglicherweise werden die sich selbst programmierenden Algorithmen zu einer gefährlichen Waffe von Hackern oder sogar eigenständig zur Waffe werden (s. der jüngste Open AI – Vorfall in den USA) entwickeln. Es entsteht eine Welt, die nicht mehr durch Auto, Fernsehen und Kühlschränke, sondern von digital gesteuerten Maschinen und Medien bestimmt wird. Wir werden uns in dieser Welt anders fühlen als am Steuer eines Autos oder mit der Fernbedienung in der Hand.
Da wir unser Leben mehr über unsere Gefühle als durch unseren Verstand steuern, können heute allenfalls die Jungen oder technisch Begabten sagen, wie diese neue Menschenwelt Gestalt annehmen wird. Denn für die Generation Z und insbesondere für die Generationen alpha und beta sind die Thema Bewahrung der Schöpfung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Künstlicher Intelligenz wichtig. Und diese Generationen werden die Chance haben, KI positiv zu entwickeln, z.B. durch die Schaffung neuer Energie- und Nahrungsquellen abseits von Atom und Öl. Und sie werden damit vielleicht die Fehler vorheriger Generationen „reparieren“ können.
Einige Chancen können benannt werden:
• Noch heißere Sommer und empfindlicher Wassermangel können zur Umlenkung von Investitionen in die Gesundung von Wasserläufen und Wäldern führen.
• Bildung kann zu einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung werden. Nicht mehr Anstrengung im Beruf, weil hier die KI viele Aufgaben übernimmt, sondern Anstrengung im Verstehen und Kreativ-Werden, um die Entscheidungen für ein selbstständiges Leben treffen zu können.
• Utopisch bleibt wahrscheinlich die Erwartung, dass die Lösung von Konflikten zu einem Anliegen jedes Einzelnen wird, sodass die Mehrheit der Bevölkerung nicht weiterhin der Kriegstreiberei ihrer Regierungen resigniert zusieht.
• Vielleicht wird ein Lebensstil attraktiv, der Konsum nur noch als Notwendigkeit ansieht und der Kultur den ersten Platz einräumt. Dass die Menschen weniger Zeit für die Auswahl von Geräten und Lebensmitteln verwenden als für das, worüber sie nachdenken und was sie verstehen wollen.
• Vielleicht steht Baumärkten eine große Zukunft bevor, wenn man von Robotern gefertigte Möbel und Geräte nicht mehr um sich haben will, sondern diese selbst zimmert und baut.
• Gläubige können vielleicht hoffen, dass die Kirchen sich nicht weiter der Bestandswahrung widmen, sondern dem Geist Raum geben. Das werden sicher andere sein als die jetzigen Schriftgelehrten. Jesus hat junge Fischer zu seinen Aposteln berufen. KI kann dabei helfen.
Ähnliche Überlegungen gehen sicher vielen durch den Kopf. Wer kann weitere beisteuern? Wir veröffentlichen gerne Beiträge und Leser:innenbriefe. Mailen Sie an publicatio-eV@gmx.de.
Ein Kommentar von Eckhard Bieger SJ. (Redaktionsleitung www.hinsehen.net)