Kaum eine andere Technik hat die journalistische Tätigkeit im zurückliegenden Jahr 2025 so verändert und wird sie in diesem Jahr 2026 noch weiter verändern, wie die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Diese bietet viele Chancen, aber auch Herausforderungen. Denn die Glaubwürdigkeit der Medien stand noch nie so auf dem Spiel, wie aktuell.
Ich würde mich als „Early Adopter“ bezeichnen. Also eine Person, die neue Techniken und Produkte früh ausprobiert, und rechne mich zu den 20 % der Menschen, die Veränderungen und neuen Technologien zunächst einmal als Chance und nicht als Herausforderung sehen. So habe ich bereits viele KI-Dienste durch „learning by doing“ ausprobiert und diese auf „Herz und Nieren“ geprüft, wie es sprichwörtlich heißt.
Dabei bin ich nicht allein: Laut deutschland.de nutzen 85 Prozent der Medienhäuser generative KI bereits in der redaktionellen Praxis. Laut einer anderen Erhebung des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) sind 97 Prozent der befragten Medienhäuser der Ansicht, dass KI zusätzliche Freiräume schafft und journalistische Prozesse effizienter gestaltet. 47 Prozent sehen sogar eine Verbesserung der inhaltlichen Qualität durch den KI-Einsatz, laut medienpolitik.net.
Welche Werte gelten für KI-Inhalte?
In meiner Arbeit bei kath.de und bei anderen Medien unterwerfen wir uns freiwillig dem Pressekodex des Presserats https://www.presserat.de/pressekodex.html. Dieser legt Maßstäbe für einen verantwortungsvollen Journalismus fest. Dazu gehört aus meiner Sicht (und auch aus der Sicht von kath.de und des herausgebenden Vereins publicatio e. V.), dass die Endverantwortung eines Beitrags immer bei einem Menschen liegt.
Denn gelten der Pressekodex und ethische Werte auch für KI-erstellte Inhalte? Rein rechtlich wohl nicht, da kein Mensch der/die Ersteller:in ist. Und medienethisch?
Hinsehen ist wieder gefragter denn je!
Wünschenswert wäre es. Denn bei vielen KI-erstellten Nachrichten fehlen Quellenangaben, die eine unabhängige Überprüfbarkeit erst ermöglichen. In Zeiten von durch KI automatisiert erstellten Inhalten wird es im Journalismus – wie in den Anfängen – wohl wieder darauf ankommen, die Echtheit der Quellen zu prüfen und die Zusammenhänge, „das große Ganze“, in den Blick zu nehmen. Hinsehen ist wieder gefragter denn je!
Das Portal kath.de unterstützt (ebenso wie die Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten) die „Pariser Charta für Künstliche Intelligenz“ https://rsf.org/sites/default/files/medias/file/2023/11/Paris%20charter%20on%20AI%20in%20Journalism.pdf. Die von „Reporter ohne Grenzen“ initiierte Charta definiert zehn Grundsätze für den verantwortungsvollen Umgang mit KI im Journalismus und betont, dass die Verwendung von KI transparent gemacht werden muss.
Eine Folge der Charta lautet: KI-Artikel müssen zwingend gekennzeichnet werden, damit Nutzer:innen die Quelle erkennen und den Inhalt einordnen können. Dies handhaben wir im Portal kath.de und bei unserem Partnerportal explizit.net seit 01/2025 so.
KI ist nicht der „Tod des Journalismus“
Fazit: Eine Erkenntnis daraus ist für den Autor, der sich seit 2008 intensiv mit dem Thema Digitalisierung und KI beschäftigt, dass Künstliche Intelligenz nicht der „Tod des Journalismus“ ist, aber ihr Einsatz klare Regeln und vor allem eins benötigt: Transparenz.
Denn künstliche Intelligenz bietet viele Chancen, aber auch Herausforderungen, und Transparenz hat den Journalismus schon immer stark gemacht. Im Zeitalter der KI wird die Transparenz zum „Überlebenselixier“ für Qualitätsjournalismus werden. Denn die Glaubwürdigkeit der Medien stand noch nie so auf dem Spiel, wie aktuell.
Papst Leo XIV. hat in seiner Botschaft zum „Builders AI Forum“ am 6. November 2025 in Rom betont: „Technologische Innovation kann eine Form der Teilhabe am göttlichen Schöpfungsakt sein. Sie trägt eine ethische und spirituelle Bedeutung“ und führte weiter aus: „Die Kirche kann und muss bei der ethischen Gestaltung der KI-Revolution eine führende Rolle spielen.“ Und aus diesem „Muss“ kann eine Chance erwachsen!
Die Herausforderung – nicht nur für konfessionelle – Medienschaffende wird 2026 und darüber hinaus vor allem darin bestehen, die technologischen Möglichkeiten zu nutzen, ohne die Grundwerte des Journalismus und der christlichen Ethik zu kompromittieren.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern Gottes Segen für das Jahr 2026.
Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)
Hinweis: Dieser Kommentar erschien – in einer kürzeren Version – erstmals am 22. Dezember 2025 im Magazin „GKP-Informationen“ der Gesellschaft der katholischen Publizistinnen und Publizisten (GKP) und wurde für diesen Kath.de-Kommentar um Aussagen von Papst Leo XIV. erweitert.