kath.de – Die Woche

Überaschende Äußerung führt zu Kritik

Papst Emeritus Benedikt XVI. hat sich mit einem kontroversen Aufsatz zu den Ursachen der Missbrauchskrise zu Wort gemeldet.

In dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben führt Benedikt XVI. das Problem des Kindesmissbrauchs in der Kirche sowohl auf die Liberalisierung der Gesellschaft, als auch auf das Zusammenbrechen der katholischen Moraltheologie zurück. Kernpunkt seiner Analyse ist die Sinn- und Wertlosigkeit einer Welt, ohne Bezug zu Gott. Daher sei die Lösung der Missbrauchsproblematik nicht in der strukturellen Veränderung der Kirche, sondern in der Erneuerung des Glaubens zu finden.

Diese Analyse wurde von verschiedenen Seiten heftig kritisiert. Matthias Katsch vom Opferverband Eckiger Tisch nannte den Text entlarvend, da er die Fehler und Verantwortung der Institution Kirche nicht benenne. Die amerikanische Ethik-Professorin Julie Hanlon Rubio kritisierte den Text als fehlerhaft und beunruhigend. Die Schuld für ein „internes und strukturelles Problem“ einer freizügigen Kultur und progressiven Theologie zuzuweisen, sei verblüffend.

Mein Charakterhaus verlebendigen

Wir sind mehr als das, was wir besonders gut können. So wie ein Wohnhaus mit mehreren Mitbewohnern erst lebendig wird, so auch unser Charakterhaus. Auch darin soll nicht nur einer bestimmen. Das gelingt, wenn wir den vorherrschenden Charakterzug nicht ausufern lassen, sondern auch andere Begabungen wachsen lassen.

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Starke Geste für den Frieden

Papst Franziskus hat den Konfliktparteien im Südsudan bei ihrem Treffen im Vatikan die Füße geküsst, um sein Plädoyer für Frieden zu verdeutlichen.

Südsudans Präsident Salva Kiir, Oppositionsführer Riek Machar und künftige Vertreter der geplanten Übergangsregierung trafen sich zu einer geistlichen „Einkehr“ im Vatikan. Das Treffen fand auf eine Initiative des Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, statt, der ebenfalls teilnahm. Der Südsudan ist erst seit 2011 unabhängig und seit sechs Jahren in einem Bürgerkrieg zwischen dem Präsidenten Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Machar verstrickt. Papst Franziskus ermutigte die Konfliktparteien trotz aller Probleme weiter auf dem Weg des Friedens zu gehen. Sie könnten zu Vätern für ihre Nation werden, wenn sie den Prozess der Befriedung gemeinsam zu Ende gingen. Für den 12. Mai ist die Einführung einer Übergangsregierung vorgesehen, mit der eine Machtteilung erreicht werden soll.

Kardinal zur Bluttest-Debatte

Kardinal Rainer Maria Woelki hat bei der Bundestags Debatte, ob ein Blutest zur Trisomie 21 zur Kassenleistung werden soll, die Eingrenzung auf eine Kostenübernahme kritisiert.

Der Kölner Erzbischof warf im Interview mit dem Domradio die Frage auf, ob die Gesellschaft es mit der „Würde eines jeden einzelnen Menschen“ ernst meine. Es sei ein Armutszeugnis, wenn behinderte Menschen abgeschrieben werden. Dagegen forderte er eine „solidarische Kraftanstrengung“ zur Hilfe von Familien mit behinderten Kindern.

Pränatale Untersuchungen, die der Sorge werdender Eltern um ein gesundes Kind Rechnung tragen, seien kein Problem an sich. Er fragte jedoch, was geschehe, wenn „der Test ungünstig ausfällt“. Das sei eine erschütternde Nachricht. Dabei müsse Mut gemacht werden und Hilfe geboten werden. Doch werde in der Praxis bei 90 Prozent der festgestellten Fälle des Down Syndroms abgetrieben, obwohl die Möglichkeiten zur Hilfe nie besser gewesen seien.

Gemeinsames Wort für Demokratie

Die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben ein gemeinsames Wort zur Krise der Demokratie veröffentlicht.

Unter dem Titel „Vertrauen in die Demokratie stärken“ wollen die beiden großen deutschen Kirchen der politischen Vertrauenskrise in Deutschland und Europa entgegenwirken. Bischof Franz-Josef Overbeck mahnte, es gebe kein selbstverständliches Vertrauen in die Demokratie. Vielmehr bedürfe es vieler Vorrausetzungen. Diese nennt der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen eine demokratische Sittlichkeit. Dazu gehöre Respekt, Kompromissbereitschaft und Akzeptanz für Mehrheitsentscheidungen, die gegen die eigene Meinung fallen.

Reiner Anselm, Vorsitzende der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD, hob die Aufgabe der Kirchen die Demokratie zu stützen als Motivation hervor. Zur „Demokratie als Ordnung der Freiheit“ könne eine lebendige Glaubenspraxis beitragen. CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte lobte das Schreiben als „kritischer Entwurf zur richtigen Zeit“.


Der kath.de-Wochenkommentar

Zynische Neutralität

von

Der Umgang mit Venezuela ist zynisch. Der Westen wirft Maduro und seinem Sozialismus die Armut vor, die er durch Wirtschaftssanktionen planmäßig mitverursacht hat. In Venezuela soll angesichts sinkender globaler Konjunkturprognosen Platz für amerikanische Konzerne geschaffen werden – um buchstäblich jeden Preis. Der Vatikan, von beiden Seiten um Vermittlung gebeten, übt sich in befremdlicher Zurückhaltung, während US-Vize Mike Pence vor dem UN-Sicherheitsrat offen mit Krieg drohen darf.

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