Demokratien brauchen Orte, an denen unterschiedliche Positionen respektvoll aufeinandertreffen. Medien schaffen solche Orte und ermöglichen zudem Kontrolle, Transparenz und einen öffentlichen Diskurs. Dafür setzt sich die Kampagne „Demokratie braucht viele Stimmen“ ein und betont: „Künstliche Intelligenz unterstützt Menschen – aber ersetzt nicht die Verantwortung.“ Diese liege mehr denn je bei den Journalist:innen.
Aktuelle Zahlen des Reuters-Instituts (https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/digital-news-report/2026/dnr-executive-summary) machen Hoffnung: „Deutschland weist mit 46 Prozent das höchste allgemeine Nachrichtenvertrauen im DACH-Raum auf. Es folgen die Schweiz mit 42 Prozent und Österreich mit 39,3 Prozent; der Durchschnitt der 48 untersuchten Märkte liegt bei nur 37 Prozent.“
Doch die „gefühlte Realität“ sieht anders aus: Die Journalistenverbände DJV und dju berichten von Angriffen gegenüber Medienschaffenden, insbesondere während der Wahlkämpfe. Zudem gibt es eine durch Fake News, Bots und Künstliche Intelligenz unterstützte Kampagne, die sich insbesondere gegen öffentlich-rechtliche Medien richtet und mit deren Hilfe deren Glaubwürdigkeit gezielt untergraben werden soll. Daraus folgt nicht nur eine stärker werdende Polarisierung gegenüber den „Mainstream“-Medien, sondern es wird auch eine Vertrauenskluft gefördert, die droht, die freiheitlich-demokratische Grundordnung auszuhöhlen. Denn diese Kluft ist eine große Herausforderung.
Herausforderung Vertrauenskluft
Denn während weiterhin die Mehrheit in Deutschland ein „stabiles allgemeines Nachrichtenvertrauen“ auszeichnet (vor allem bei öffentlich-rechtlichen und regionalen Medi-en), gibt es eine Minderheit, die durch eine „Medienfeindlichkeit“ gekennzeichnet ist: Eine repräsentative „Forsa“-Befragung von Menschen ab 16 Jahren im August 2026 ergab, dass rund ein Fünftel der Befragten „glaubt“, dass Medien systematisch täuschen. Die Befragung beschreibt dabei ein „stärkeres Misstrauen in Ostdeutschland“ und führt zudem aus, dass in dieser Gruppe von Befragten „Massenmedien unterdurchschnittlich und Social-Media-Plattformen überdurchschnittlich häufig genutzt werden“.
Auch der Einsatz von Nachrichten, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden, bereitet bei den Befragten Sorgen: Laut einer Untersuchung des Leibniz-Instituts äußert knapp die Hälfte Bedenken, „online Fakten und Falschmeldungen auseinanderhalten zu können“. Der Vertrauenswert von Nachrichten in sozialen Medien und von KI-generierten Nachrichten ist 13 Prozent (gegenüber 24 Prozent bei Online-Nachrichten).
Vielfalt, Vertrauen und Verantwortung stärken
Demokratie lebt von unterschiedlichen Perspektiven. Vielfalt ist ihre größte Stärke. Vielfalt bedeutet dabei nicht Beliebigkeit. Sie bedeutet, dass unterschiedliche Stimmen gemeinsam eine informierte demokratische Öffentlichkeit ermöglichen.
In einer Welt unbegrenzter Nachrichten und wachsender Desinformation brauchen Menschen Medien, denen sie vertrauen können. Mit überprüften Fakten und transparenten Arbeitsweisen schafft unabhängiger Journalismus dieses Vertrauen.
Journalismus übernimmt Verantwortung für veröffentlichte Inhalte. Informationen werden recherchiert, sorgfältig geprüft, transparent eingeordnet, Fehler korrigiert. Das schafft Glaubwürdigkeit und gibt den Menschen Orientierung. Und es gilt zudem: Künstliche Intelligenz unterstützt Menschen – aber ersetzt nicht die Verantwortung.
Die zentrale Aufgabe des Journalismus sollte deshalb nicht lauten, Vertrauen nur einzufordern, sondern es durch transparente, unabhängige und faire Berichterstattung immer neu zu verdienen. Denn die Verantwortung des Journalismus wächst.
„Houston, wir haben ein Problem.“
Fazit: Die hohe Akzeptanz von Nachrichten in Deutschland und im DACH‑Raum sollte niemanden in Sicherheit wiegen. Denn in Zeiten von Desinformation und Fake News wächst die Verantwortung von Medien, Einordnung und Orientierung zu bieten. Doch „Orientierung entsteht nicht von selbst. Sie entsteht dort, wo Menschen Informationen recherchieren, prüfen, einordnen und bereit sind, Verantwortung für ihre Arbeit zu übernehmen. Genau dafür steht professioneller Journalismus“, heißt es im Manifest „Demo-kratie braucht viele Stimmen“ (https://explizit.net/medien/artikel/ausbildung-im-journalismus-kathde-foerdert-nachwuchs-journalistinnen/). Doch dafür ist es notwen-dig, dass möglichst viele – auch konfessionelle – Medien, wie beispielsweise das GEP und evangelisch.de, die Kampagne unterstützen. Zudem sollten Verlage und Redaktionen statt auf Stellenkürzung und KI-Optimierungswahn auf eine Stärkung des Journalismus setzen. Und Qualität benötigt fair bezahlte und gut ausgebildete Medienschaffende. Denn jede Investition in den Journalismus dient gleichzeitig auch dem Erhalt der Demokratien.
Angesichts dessen hat der Verein publicatio e. V., der das Portal www.kath.de und seine Partnerportale www.explizit.net und www.hinsehen.net herausgibt, auf seiner gestrigen Jahreshauptversammlung 2026 die Unterstützung der Kampagne „Demokratie braucht viele Stimmen“ beschlossen. Die Redaktionen von kath.de und explizit.net, die sich besonders der journalistischen Nachwuchsförderung widmen, unterstützen die Kampagne ebenso und planen, auch ihren Einsatz für Meinungsfreiheit konsequent fortzusetzen.
Linktipp: https://explizit.net/medien/artikel/ausbildung-im-journalismus-kathde-foerdert-nachwuchs-journalistinnen/
Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)