„Tag der Wahrheit“

Frisch im Streaming erschienen ist der Kinofilm „Disclosure Day: Tag der Wahrheit“. Regisseur Steven Spielberg stellt dabei die Frage, ob die Menschheit bereit wäre, die „Wahrheit“ über UFO-Sichtungen und Besuche von Außerirdischen auf der Erde zu akzeptieren. Abseits von Science-Fiction greift der Film aber auch religiöse Fragen auf.

Regisseur Steven Spielberg, hat sich bereits in mehreren Filmen seinem Lieblingsthema Außer-irdische gewidmet. Das neueste Werk „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ (2026) ist kein neues epochales Werk à la „E.T.“ (1982) oder „Krieg der Welten“ (2005), setzt aber trotzdem Akzente und stellt zudem fundamentale theologische Fragen: Was geschieht mit unserem Gottesbild, wenn wir nicht mehr allein im Universum sind? Und kann die „Wahrheit“ darüber den Glauben stärken – oder würde sie ihn zerstören?

Im Film stellt Jane, eine ehemalige Nonnen-Novizin (gespielt von Eve Hewson), die Aussage in den Raum: „Die Menschen wurden erzogen, an ein höchstes Wesen zu glauben, und jetzt wollt ihr uns echte höchste Wesen zeigen? Die Welt kann nicht beides verkraften.“ Jane glaubt daher (zunächst), dass die „Wahrheit“ (im Film soll Videomaterial von UFO-Sichtungen und außerirdischen Besuchen auf der Erde sein, dass die US-Regierung seit den 50er Jahren gesammelt und geheim gehalten hatte) nicht veröffentlicht werden soll, um den Glauben an Gott, „der die Menschheit zusammenhält“, bewahrt werden müsse.

Ihr entgegnet die Schwester Maura (gespielt von Elizabeth Marvel), dass es geradezu ver-schwenderisch wäre anzunehmen, „Gott habe ein so riesiges Universum erschaffen, in dem nur auf der Erde Leben existiert.“ Die Vorstellung anderer Zivilisationen im All vergrößere vielmehr unser Verständnis von der Größe Gottes, „der die Menschheit als Krone der Schöpfung ‚auf Erden‘ geschaffen habe“.

Spielberg formulierte dazu in einem CBS-Interview: „Wenn diese Wahrheit von heute auf morgen bekannt würde […], dann würde das viele Menschen völlig aus der Bahn werfen. […] Ist Gott – unser Gott – nur für diesen Planeten zuständig, oder ist er ein Gott für jedes System, in dem es Zivilisation, intelligentes Leben oder auch sich entwickelndes Leben gibt?“, berichtete das evangelische „pro Medienmagazin“.

Nach Erscheinen des Kinofilms gab es – vor allem aus evangelikalen Kreisen – Kritik an Spielbergs neuem Werk, da dieses eine „Alien-Religion“ proklamiere und diese „esoterisch überhöhe“. Der Regisseur selbst betonte, er wolle keine Antworten auf die Frage nach Gottes Wirken im Universum geben, sondern nur die Frage danach aufwerfen.

Pater Guy Consolmagno SJ, ehemaliger Direktor des Vatikanobservatoriums, erklärte gegenüber der jesuitischen Website „America“ aus den USA: „Der Glaube an extraterrestrisches Leben schließe den Glauben an Gott keineswegs aus. Im Gegenteil: Die Entdeckung anderer rationaler Wesen im Kosmos könnte theologische Forschung neu beleben und die intellektuelle Tradition der Kirche auf diese Fragen anwenden.“ Zugleich verwies Pater Consomagno darauf, dass fortschrittliche Technik (die Außerirdische aufweisen könnten, Anmerkung des Autors) keine Transzendenz sei. „Außerirdische dürfen deshalb nicht zu Ersatzgöttern werden“, verdeutlichte der Jesuit, „auch wenn der moderne Mensch nach Transzendenz und Enthüllung verlangt.“

Im Katechismus der Katholischen Kirche wird Gott als Schöpfer „alles Sichtbaren und Unsichtbaren“ bezeichnet und nach christlicher Lehre wäre daher auch eine außerirdische Zivilisation – trotzdem Teil von Gottes Schöpfung. Demnach wären Außerirdische (wenn der Nachweis über ihre Existenz erbracht würde, Anmerkung des Autors) und Gott auch keine konkurrierenden Größen, wie Jane im Film impliziert. Stattdessen betont darin Schwester Maura die christliche Ansicht, dass die Größe der Schöpfung den Schöpfer nicht verkleinert. Sie könne das Staunen über Gott sogar vergrößern. Denn Gott sei immer noch Gott. Der Gott der Bibel sei demnach kein „Territorien-Gott“ nur für die Erde, sondern das Fundament für den gesamten Kosmos.

Filmtipp: Allein wegen der letzten 15 Minuten (mehr soll hier nicht gespoilert werden) lohnt sich – aus Sicht des Autors – das Anschauen des Films, der aktuell noch in einigen Kinos läuft (oder alternativ im Kauf-Streaming z. B. bei Magenta TV verfügbar ist). Denn „Disclosure Day: Tag der Wahrheit“ bietet zwar (bewusst) keine Antworten auf die Gottesfrage im Universum, stellt aber spannende Fragen nach der „Wahrheit“ und dem Glauben der Menschheit, die auch nach dem (emotionalen) Ende des Films bei den Zuschauerinnen und Zuschauern noch nachhängen.

Weitere Informationen und den deutschen Trailer zum Film gibt es hier:Link

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)