Artemis II. hat atemberaubende Bilder aus dem Weltall übermittelt. Besonders der Blick auf die Erde hatte es in sich, da er neue Perspektiven ermöglichte. Denn von oben rückt das große Ganze wieder mehr in den Vordergrund. Da lohnt sich ein genaueres Hinsehen, auch auf die Forderungen des Vatikans zum Schutz des Weltalls als Gemeingut.
Astronauten beschreiben Perspektivwechsel
Astronauten berichten, dass sie einen „Perspektivwechsel“ im Weltraum erfahren haben, als sie die Erde betrachteten. „Die Erde erscheint klein, verletzlich, ohne Grenzen oder Trennlinien als Symbol einer gemeinsamen Zugehörigkeit und kollektiven Verantwortung. Ein Bild, das leider im Widerspruch steht zur Realität von Kriegen, Missbrauch und Gewalt, die sichtbar werden, wenn man den Planeten aus der Nähe betrachtet“, beschreibt „Vatican News“ anlässlich Artemis II. Link
„Ich glaube, dass für euch offensichtlich ist, dass wir alle gemeinsam auf einer einzigen Erde leben und dass es absurd ist, gegeneinander zu kämpfen und uns gegenseitig zu töten“, sagte bereits Papst Benedikt XVI. im Gespräch mit Astronauten der ISS.
Vatikan: „Der Weltraum muss ein Gemeingut bleiben“
Im Vorfeld der Artemis II – Mission betonte Erzbischof Ettore Balestrero, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf: „Der Weltraum muss ein Gemeingut bleiben, mit klaren rechtlichen Normen und einem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der gesamten Menschheit und den künftigen Generationen.“
Die Stiftung „Caritas in Veritate“ des Vatikans hat kürzlich den „Weltraum als neue Grenze des Gemeinwohls“ beschrieben. Dazu wurde ein Video (Link) veröffentlicht, welches auf das Dokument „Outer Space and Humanity at the Crossroads: A New Frontier of the Common Good – Der Weltraum und die Menschheit an einem Scheideweg. Eine neue Grenze des Gemeinwohls“ aufbaut. Als Konfliktfelder benennt der Vatikan dabei die Themen Militarisierung des Weltalls und fordert daher die Einhaltung des Weltraumvertrags, den 120 Nationen ratifiziert haben. Weitere Themen des „Caritas in Veritate“ - Videos sind Wissenschaft, Glaube, internationale Verantwortung sowie Wettbewerb und Zusammenarbeit.
Fazit: Im Weltall sieht man keine Grenzen
Damit uns das Weltall weiterhin einen „Perspektivwechsel“ – sei es vom Leben auf der Erde oder von Reisen zum Mond oder sogar zum Mars - ermöglichen kann, braucht es (neue) internationale Verträge und Regeln zu dessen Schutz. Das Weltall gehört nicht einzelnen Staaten, Firmen oder Milliardären, sondern ist ein Gemeingut der Menschheit, wie es der Vatikan berechtigterweise fordert und so beschreibt:
„Die zentrale Botschaft der Kirche ist, dass wir den Weltraum nicht in einen Dschungel verwandeln dürfen. Er bietet der Menschheit gewissermaßen eine zweite Chance und lädt uns ein, viele Fehler zu vermeiden, die wir auf der Erde begangen haben. Der Weltraum muss verantwortungsvoll, solidarisch und im Respekt vor der Subsidiarität erforscht werden – zum Wohl der gegenwärtigen und der künftigen Generationen.“
Auf der blauen Kugel, die die Heimat von derzeit rund 8,3 Milliarden Menschen ist, sind aus dem Weltall keine Grenzen zu sehen. Das sollte uns Mut machen, uns unten auf der Erde gegen die Grenzen zwischen Nationen und Religionen – seien sie physisch oder nur gedanklich in den Köpfen – vorzugehen. Damit nicht nur wir, sondern auch nachfolgenden Generationen noch eine (bewohnbare) Erde haben. Das sollte unser aller Ziel sein.
Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)