Vom Himmel geschickt – traut der Jugend in der Kirche!

Foto: Christian Schnaubelt

Bei „#fridaysforfuture“ und der BDKJ-Sozialaktion „#72h“ engagieren sich bundesweit Tausende junger Menschen, denn sie haben die Hoffnung auf die Zukunft des Klimas noch nicht aufgegeben. Brauchen wir auch #sundaysforfuture-Aktionen für die Zukunft der Kirche?

„Die Jugend von heute ist unpolitisch und nur auf Spaß aus.“ Dieses Vorurteil war lange in den Köpfen vieler Erwachsenen verankert – auch in der Kirche. Doch die letzten Wochen zeigten ein ganz anderes Bild und auch im nächsten Monat wird sich Jugend erneut gesellschaftlich engagieren.

Beispiel 1: Tausende Schülerinnen und Schüler protestieren weltweit bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen für den Klimaschutz. Sie fordern Politik und Gesellschaft dazu auf, den schönen Worten endlich konkrete Taten folgen zu lassen und die Klimaziele bis 2030 umzusetzen.

Beispiel 2: Vom 23.-26. Mai werden Tausende junger Menschen in ganz Deutschland „gute Taten“ vollbringen, bei der 72-Stunden-Sozialaktion vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ werden tausende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bundesweit bei über 2.600 Sozialprojekten freiwillig „anpacken“. In drei Tagen versuchen sie, „die Welt ein bisschen besser zurückzulassen als man sie vorgefunden hat“ (Lord Robert Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung).

Zusammenarbeiten

Beide Beispiele zeigen: Wenn man als Gemeinschaft zusammenarbeitet, können junge Menschen viel mehr erreichen, als viele „vernünftige“ Erwachsene denken. Nicht Politik-„Profis“ – wie FDP-Chef Christian Lindner der #fridaysforfuture-Bewegung abfällig entgegenwarf – sind für die Lösung des Problems zuständig. Die Politik ist viel mehr die eigentliche Ursache des Problems, das man nicht wie erst Helmut Kohl und später Angela Merkel „aussitzen“ oder in Kommissionen verlagern kann.

Dieses ehrenamtliche Engagement macht mir Mut – für die Gesellschafft und für die derzeit stark angeschlagene katholische Kirche. Wenn sich die Generationen Y und Z engagieren, dann haben sie die Hoffnung auf die Zukunft noch nicht aufgegeben. Anders als viele Erwachsene, die resigniert von der „guten alten Zeit“ reden und einen Wandel – auch in der Kirche – ablehnen. Vielleicht auch, weil der Einsatz der Jungen den älteren Generationen den Spiegel vorhält: „Ihr haltet nur Reden, habt aber vergessen, aktiv etwas für eure Werte zu tun.“

Nicht mehr „Null Bock“

Viele Erwachsene haben sich in ihrer Komfortzone eingerichtet. Sie fordern den Klimaschutz, fahren aber einen SUV und fliegen in den Urlaub. Auch der Autor dieses Kommentars hat noch keinen perfekten „ökologischen Fußabdruck“ und möchte auch die 68er- und späteren Generationen nicht pauschal anklagen, aber als 1975 Geborener daran erinnern, dass für die Umsetzung der Ideale und Werte alle Generationen benötigt werden. Wir dürfen nicht das Handeln auf die Generationen „nach uns“ abschieben.

Die Proteste der Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz sowie der Einsatz der katholischen Jugendlichen und Verbände bei der BDKJ-Sozialaktion 2019 zeigen, dass die Zeiten der unpolitischen „Null Bock“-Generationen vorbei sind. Das ist gut so. Junge Menschen brauchen Unterstützung und nicht die Anklage, sie verletzten die Schulpflicht. Gerade weil die Schüler und Schülerinnen in der Schule beim Thema Klimawandel aufgepasst haben, wurden sie aktiv; nicht, weil sie die Schule „schwänzen“ wollen. 1990 gingen viele Schülerinnen und Schüler gegen den Golfkrieg massenhaft auf die Straße. Damals wurde über Krieg in Frieden in den TV-Talkshows gesprochen. Heute sprechen die Diskutanten – wie jüngst bei „Anne Will“ – primär über die Schulpflicht als das eigentliche Problem, über den Klimawandel und die gescheiterte Klimapolitik der „GroKo“ sowie über die persönlichen Einschnitte, die alle als Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz zulassen müssen.

#sundaysforfuture in der Kirche?

Vielleicht brauchen wir auch #sundaysforfuture-Aktionen in der Kirche. Keine Proteste gegen die Schließung von Gebäuden, sondern für einen inhaltlichen Wandel der Kirche. Steine können ersetzt, versetzt oder weggelassen werden. Der „Eckstein“ der Kirche sind die Gläubigen, nicht Institutionen oder Ämter. Kirche ist aus kleinen Gemeinschaften entstanden und vielerorts entstehen sie derzeit wieder neu, besonders in Afrika und Asien, aber auch in Deutschland. Vielleicht wären „sundaysforfuture“-Treffen nach dem Sonntags-Gottesdienst und echte „synodale Prozesse“ gute Wege, um den jungen Menschen zu zeigen: Wir haben die Hoffnung auf die Zukunft, auch der von Kirche, noch nicht aufgeben.“ Hören wir ihnen und trauen wir den jungen Menschen mehr zu. Lassen wir sie mehr entscheiden – auch in der Kirche. Denn sie sind „vom Himmel geschickt“!

Christian Schnaubelt
Redaktionsleiter explizit.net
Vorsitzender publicatio e.V.