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Zum Jahr der Berufung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Entdeck` den roten Faden deines Lebens! Gottes Ruf auf der Spur! von Theresia Klein, Diözesanstelle Berufe der Kirche
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Was ist das Jahr der Berufung?
Wir hatten ein Jahr der Bibel und ein Jahr der Eucharistie. Ist das Jahr der Berufung nur ein weiterer Baustein in einer Reihe von öffentlichkeitswirksamen Kirchen-Events? Angesichts der hohen Arbeitsbelastung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern scheint diese Frage berechtigt. Auch ist die allgemeine Abneigung gegenüber Großveranstaltungen verständlich, die meist viel Arbeit mit sich bringen und oftmals letztendlich die eigentlichen pastoralen Aufgaben in den Gemeinden leiden lassen.
Deshalb geht es der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihrem Jahr der Berufung nicht um ein medienwirksames Ereignis, sondern vielmehr um eine gezielte Akzentsetzung im pastoralen Alltag. Schließlich ist jedes pastorale Handeln berufungspastorales Handeln, denn Pastoral nimmt sich der Menschen an, ihrer Lebens- und Glaubenswege, ihrer Beziehung zu Gott – eben ihrer Berufung! Diesen Aspekt neu ins Bewusstsein zu bringen und als Grundlage unseres Handelns in Gemeinde und Alltag zu verstehen, ist das Anliegen des Jahres der Berufung.
Allerdings ist „Berufung“ ein Begriff, der nicht nur außerkirchlich, sondern auch schon innerkirchlich sehr unterschiedlich verstanden werden kann und verstanden wird. Ein „Jahr der Berufung“ ruft deshalb ganz verschiedene Assoziationen hervor, die teilweise einer kirchenfernen Öffentlichkeit überhaupt nicht verständlich sind. Deshalb gibt es ein Motto für dieses Jahr, das auf bildhafte Weise erläutert, worum es uns geht. Es heißt: „Entdeck’ den roten Faden deines Lebens! Gottes Ruf auf der Spur!“. Dieses Motto spricht die Einladung aus, dem eigenen Leben und der eigenen Glaubensgeschichte nachzuspüren. Die Sehnsucht nach einem sinnvollen und gelungenen Leben findet in Gottes Ruf eine Richtungsweisung: Er spricht uns an und fordert uns mit seinem Ruf heraus. Wir laden Sie ein, für ein paar Minuten innezuhalten und sich des roten Fadens in Ihrem Leben bewusst zu werden: Wann und wie spricht Gott zu mir? Was ist es, das mich trägt? Bin ich „dran“ an Gottes Ruf?
Übrigens: Auch die Herkunft des Bildes vom roten Faden spricht eine lebendige Sprache. Zum einen liegt der Ursprung in der griechischen Mythologie. Ariadne gibt Theseus einen Faden – ob er nun rot war oder nicht – als Hilfe, um den Rückweg aus dem Labyrinth zu finden, aus dem es sonst kein Entkommen gegeben hätte. Zum anderen überliefert uns J.W. von Goethe in seinen „Wahlverwandtschaften“ von 1809 folgenden Hintergrund zum roten Faden: die englische Marine lässt jedem ihrer Taue einen sichtbaren roten Faden einweben, der damit deutlich die englische Krone als Besitzer ausweist. Entfernen konnte man diesen Faden nicht, es sei denn, man zerstörte das ganze Seil; er war also ein wichtiger Bestandteil jedes einzelnen Schiffstaus auf den englischen Schiffen. Als Christen sind wir davon überzeugt: Es gibt in unserem Leben diesen roten Faden! Wir sind nicht auf einer sinnlosen Suche! Zu dieser Überzeugung gehört auch die Erfahrung, dass uns der rote Faden einmal abhanden kommen kann. Dennoch hält er unser Lebensseil unauflösbar zusammen.
Damit ist auch schon die Spur gelegt zum Ziel des Jahres der Berufung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. In erster Linie geht es uns darum, dass sich in den Gemeinden und Einrichtungen, bei Verbänden und in Schulen ein berufungsfreundliches Klima etabliert. Dass es möglich ist, von Berufung zu sprechen, nicht nur mit jungen, sondern auch mit alten Menschen, nicht nur mit Priestern und Ordensleuten, sondern auch mit Menschen aus anderen Berufen oder ehrenamtlich Aktiven. Die Grundlage, die uns auch im Jahr der Berufung trägt, ist unsere Berufung zum Menschsein und der Ruf zur Nachfolge Jesu Christi. Dabei wird schon deutlich: Meine Person, mein Leben, meine Geschichte mit Gott steht im Vordergrund, nicht Amt, Institution oder Einrichtung. Wenn wir diese Grundlage ernst nehmen und zum Maßstab unseres Lebens und Handelns machen, werden wir zu glaubwürdigen Zeugen für die Hinwendung Gottes zu uns Menschen. Im Vertrauen darauf, dass wir von Gott berufen sind, können wir dafür einstehen, dass sich auch im Leben anderer ein roter Faden entdecken lässt und sie begleitet auf der Spur des Rufes Gottes.
Schließlich geht es auch darum, die pastoralen und speziell die geistlichen Berufe, den Priesterberuf und die Berufung zum Ordensleben, ins Gespräch zu bringen. Auch wenn die Berufung zu einer hauptamtlichen Tätigkeit genauso wenig machbar ist wie jede andere Berufung: Das ehrliche und ernst gemeinte Interesse an jungen Menschen, ihren Fragen und ihrem Lebensweg bildet oft die Grundlage für die Entscheidung zum Lebensengagement in der Nachfolge. Es geht um Ansprache und Zuspruch – wer sich nicht ernstgenommen fühlt in seinen Fragen, wer nicht auf ein offenes Klima trifft, auf Menschen und Räume, die positiv auf Sehnsüchte und Zweifel reagieren, wird eher abgeschreckt als ermutigt, einen pastoralen Beruf zu ergreifen.
Das Jahr der Berufung ist dann erfolgreich, wenn sich die Menschen in unserer Diözese, an dem Platz, an dem sie stehen, Gedanken darüber machen, was ihre Berufung ist und wie sie diese Berufung zum Leben, zum Menschsein, zum Christsein leben. Ein schöner zusätzlicher Erfolg ist es, wenn sich junge Menschen dazu ermutigt fühlen, einen pastoralen Beruf zu ergreifen, insbesondere als Ordensfrau oder Ordensmann oder als Priester.
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Wie verläuft das Jahr der Berufung?
Das Jahr der Berufung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart beginnt am Christkönigssonntag, am 26. November 2006. Bis zu diesem Datum geht es in der ganzen Diözese darum, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Jahr der Berufung zu motivieren und vor allem für die Grundfrage dieses Jahres zu sensibilisieren und dem eigenen roten Faden (wieder neu) auf die Spur zu kommen. Im Aktionsjahr selber laden wir die Gemeinden, Einrichtungen und Verbände ein, mit offenen Augen das Leben in ihrem Umfeld zu betrachten, um mögliche Ansatzpunkte für das Anliegen des Jahres der Berufung zu finden. Impulsfragen dazu können zum Beispiel sein: Welche Zeiten und Räume des Gebets um Berufung gibt es? Wo kommt das Thema Berufungspastoral bei uns vor? Welche Rituale sind denkbar, um die Berufung zum Ehrenamt sichtbar zu machen oder auch gottesdienstlich zu feiern? Wo können junge und alte Menschen über Berufungen allgemein und vor allem ihre eigene Berufung ins Gespräch kommen? Die Diözesanstelle Berufe der Kirche unterstützt mit verschiedenen Arbeitshilfen die Ideen in den Gemeinden. Neben einem liturgischen Werkheft gibt es Anregungen für Gruppen, Gremien und Teams sowie Anregungen für Gruppenstunden und Aktionen in der Jugendarbeit.
Neben den dezentralen Aktivitäten vor Ort gibt es auch ein paar zentrale Veranstaltungen und Anregungen. Dazu gehören zum einen die drei großen Jugendtage, die jährlich in der Diözese stattfinden und von den Klöstern durchgeführt werden. Dazu gehört auch die Aktion Glaubenszeugnis am Weltgebetstag für geistliche Berufe am 29. April 2007. An diesem Tag können die Gemeinden Auszubildende für die pastoralen Berufe, Ordensleute und Mitglieder der geistlichen Gemeinschaften einladen, in den Sonntagsgottesdiensten von ihrer Berufung zu erzählen. Einen deutlichen Schwerpunkt wird die Fastenzeit 2007 setzen: wir hoffen, dass viele Gruppen in dieser Zeit das Angebot von Exerzitien im Alltag wahrnehmen werden.
Das Jahr der Berufung hat mit den Menschen vor Ort zu tun– mit ihren roten Fäden und dem Anruf Gottes, diese auch sichtbar zu machen. Das können wir nicht nur aus uns selber heraus, dazu brauchen wir das Gebet, Seine Nähe und Seinen Segen! Deshalb ist uns in der Diözesanstelle die Bitte um und der Dank für gelebte Berufung(en) ein sehr wichtiges Anliegen. Dazu tragen auch Sie entscheidend bei und wir danken Ihnen herzlich dafür!
Wir würden uns freuen, wenn Sie auch das Anliegen des Jahres der Berufung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit in Ihr Gebet einschließen würden.
Kontakt: Diözesanstelle Berufe der Kirche Postfach 9 72101 Rottenburg Tel. 07472/169-379 |
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