GOTTES LIEBE „ERGEHEN“ |
| Zusammen mit der Schwester der Hl. Klara, Maria-Theresia Walcher (Heiligkreuztal), veranstaltete der Leiter des Referates „Berufe der Kirche“ der Diözese Feldkirch, Vorarlberg, Pfr. Gerhard Mähr, eine Fußwallfahrt auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Zwölf Pilgerinnen und Pilger machten sich auf den Weg. Pfr. Mähr berichtet. Was bewegt zwölf meist junge Erwachsene, vierzehn Tage lang in der Hitze Spaniens zu Fuß unterwegs zu sein? Und das nicht etwa auf einem brandneuen „Mode-Trip“, sondern auf einem Weg, der seit Jahrhunderten von unzähligen Menschen gegangen wird: dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela am nordwestlichen Zipfel Spaniens. Be-Weg-Gründe? Ein bisschen ganz sicher die Abenteuerlust, das unbekannte Land, eine fremde Sprache und nicht zuletzt die unbeschreibliche Faszination des Apostelgrabes von Jakobus dem Älteren. Daneben die Ahnung, dass sich im äußeren Gehen auch innerlich so manches zu „bewegen“ beginnt, ja vielleicht sogar, dass der eine oder andere Gottes Weg mit ihm zu erspüren beginnt. Suchende und Fragende Die zwölf PilgerInnen, fünf Frauen und sieben Männer zwischen 23 und 52 Jahren, ergaben in ihrer bunten Zusammensetzung ein Bild der gegenwärtigen Kirche und Gesellschaft: Neben Studierenden der Theologie, Psychologie und Medizin waren Lehrer, Angestellte und ein Wirtschafter dabei. Von den kirchlichen Insidern ging die Palette bis zu dem aus der Kirche Ausgetretenen. Jeder war auf seine Weise ein Suchender und Fragender... Jemand drückte dieses Suchen mit dem Gedicht von Rainer Maria Rilke aus: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehen. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.“ Der tägliche spirituelle Impuls und der Austausch über die Erfahrungen waren zusammen mit der Eucharistiefeier die Klammern, die den Tag und die Gruppe zusammenhielten. Neben den Zeiten des Schweigens besonders in der Frühe des Morgens, oft noch von der Dunkelheit geschützt, ergaben sich auf dem täglichen Camino (Weg) viele heitere und ernste Gespräche und Begegnungen - auch mit anderen Pilgern. Diese waren sehr zahlreich unterwegs und ergaben ein sehr buntes Bild. „Zu diesem Weg kam mir ein mexikanisches Sprichwort in den Sinn: `Eine Liebe sucht man nicht, die findet man, oder besser - man wird von ihr gefunden´. Auf diesem Weg bin ich ihr wieder begegnet. Gott wurde wieder eine Chance gegeben, die im Alltag oft fehlt.“ So Simons Erfahrung. |
Lasten abwerfen Neben dem Grab des Apostels Jakobus in der wunderbaren Kathedrale von Santiago ist das Cruz de Fero eine wichtige Etappe auf dem Jakobusweg. Jeder Pilger legt dort - in einem Stein symbolisiert - seine Last zu Füßen eines schlichten Kreuzes. „Ganz wichtig war mir das Ablegen der Vergangenheit durch den Stein. Dann wurde mir das Gehen sehr wichtig, mit anderen, mit Gott, das Spüren, wie Gott mitgeht“, so einer der Teilnehmer, der seit nicht allzu langer Zeit eine Scheidung hinter sich hat. Ein anderer drückte sich so aus: „Ich habe einige persönliche Brocken mit auf den Camino genommen. Beim Cruz de Fero konnte ich sie niederlegen. Es ist einiges an innerer Aussöhnung gewachsen.“ Zur eigenen Mitte finden Es ist nicht möglich, all die vielen Eindrücke und Erfahrungen einzufangen. Eines aber ist sicher: Dieser Weg hilft jedem, gerade die schmerzhaften Punkte des eigenen Lebens „wahrzunehmen“ und sie „anzunehmen“. So kann er mehr zur eigenen Mitte und damit auch zu Gott finden. „Ich bin beim Gehen immer ruhiger geworden. Dabei ist es mir sehr wichtig geworden, mich selbst wahrzunehmen. Beginnend bei der Körperwahrnehmung über unseren Rhythmus des Gehens, der Impulse, und des Gebetes - hat mich alles in meine Mitte geführt. `Wie Jesus mich voll Liebe anschaut´, dies nehme ich als für mich wichtigste Meditation mit nach Hause. Ich habe mir das noch nie so vorgestellt und mir dafür noch nie Zeit genommen. Doch nun habe ich es an jenem Abend gespürt: `Ich bin von Gott geliebt!´ So habe ich das noch nie erfahren!“ So drückt sich eine fertige Medizinstudentin aus. Und ein Wirtschafter resümierte: „Es war mein Wunsch, mehr und mehr mit mir selbst in Kontakt zu kommen. In der Kathedrale ist es heute Morgen möglich geworden. Ich als Wirtschafter kann nur sagen: `Es war ein voller Erfolg!´“ Der Camino ist, so sind sich alle Teilnehmer einig, ein Geheimtipp. Er ist ein Weg zu sich selbst, zu Gott und zu den anderen. |
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