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Spiritualität und Arbeit

Spirtualität ist mehr als Muße

Spiritualität meint zuerst einen gläubigen Umgang mit der Wirklichkeit. Wenn heute Spiritualität als Aufforderung verstanden wird, sich zurückzuziehen und den Kontakt zur Umwelt zu unterbrechen, war die christliche Tradition nie so sehr davon geprägt, genügend Ruhe und Muße für ein spirituelles Leben zu fordern. Gerade in den ersten 12 Jahrhunderten begegnen kaum bestimmte Meditationstechniken, Gebetsanleitungen oder gar Entspannungsübungen. Vielmehr geht es darum, genügend zu arbeiten, und eben dort einen Zugang zu Gott zu finden. Die zentrale spirituelle Praxis ist das Gebet der Psalmen und die Lektüre der Bibel. Ehe im Mittelalter die theologischen Themen systematisch dargestellt wurden, bestand Theologie vor allem in der Kommentierung der biblischen Bücher. In der christlichen Spiritualität hat die Arbeit einen besonderen Stellenwert, denn im Altertum arbeiteten die freien Bürger möglichst nicht, sondern die Sklaven und Tagelöhner. Muße war das Privileg der Wohlhabenden, die oft Sklaven für die körperlichen Arbeiten hatten. Da Jesus selbst als Zimmermann gearbeitet hatte, viele Apostel Fischer waren und Paulus als Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdiente, erhielt die Arbeit einen neuen Stellenwert. Prägend für die abendländische Kultur wurde die benediktinische Mönchstradition mit ihrem Anspruch „ora et labora“ – bete und arbeite. Nicht im Müßiggang, sondern in der täglichen Arbeit wächst die Verbundenheit mir Gott. So ist Arbeit und Gebet kein Widerspruch, vielmehr soll Arbeit selbst als Gottesdienst verstanden werden.

Zitate:
Alfred Delp SJ: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt es gleichsam uns entgegen. [...] In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“

Bernhard von Clairvaux: „Ich habe es erfahren, glaube es mir: In den Wäldern findest du mehr als in den Büchern. Holz und Steine werden dich über Dinge belehren, von denen du bei den Lehrern nichts hören kannst“

Aus der Regel von Taizé: „Damit dein Gebet wahrhaftig sei, mußt du in harter Arbeit stehen. Begnügtest du dich mit dilettantischer Lässigkeit, so wärest du unfähig, wirklich Fürbitte zu tun. Dein Gebet findet zur Ganzheit, wenn es eins ist mit deiner Arbeit“

Jürgen Pelzer


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