Religiöses Leben

Gebetsanliegen

Anliegen im Gebet vor Gott bringen

Gebetsanliegen bzw. Gebetsmeinungen nennt man die Sorgen und Nöte, Wünsche und Hoffnungen, aber auch Danksagungen, die im individuellen oder gemeinschaftlichen Gebet in der Liturgie, z.B. bei den Fürbitten in der in der Messe, bei den Laudes oder der Vesper, oder außerhalb des Gottesdienstes vor Gott getragen werden. Im engeren Sinn sind zumeist Anliegen gemeint, die anderen Personen oder einer Gemeinschaft zur Fürbitte anvertraut werden.

Wirkung des fürbittenden Gebets
Bittgebet und Fürbitte für andere gehören von Anfang an zur christlichen Gebetstradition und sind biblisch bezeugt (vgl. vor allem Mt 7,7-11 und Jak 5,13-18). Das christliche Fürbittgebet wird im Vertrauen auf Gott gesprochen: Die Welt und das Schicksal des Einzelnen liegen in Gottes Hand, und Gott wird sich dem gerechten Anliegen eines Beters nicht verschließen (vgl. Mt 7,11). Jedes wirklich christliche Gebet erkennt die Souveränität und Freiheit Gottes an, so wie es in der Vaterunser-Bitte "Dein Wille geschehe" ausgedrückt ist. Die Idee eines gleichsam magischen "Erfüllungsautomatismus" entspricht nicht dem christlichen Gottes- und Menschenbild. Dennoch glauben Christen an die objektive Wirksamkeit des Gebetes und nehmen nicht bloß eine stabilisierende psychologische Wirkung beim Beter an.
Der vertrauensvoll bittende Anruf Gottes ersetzt nicht das menschliche Handeln - weder die eigene Anstrengung noch den tätigen Einsatz für den Nächsten. Das Gebet ergänzt und begleitet dieses Handeln vielmehr. Das fürbittende Gebet ist daher als konkreter Akt christlicher Solidarität zu verstehen. Zugleich ist es eine Absage gegen jede Ideologie der "Machbarkeit", denn wer betet, geht davon aus, daß nicht alles in seiner Hand liegt.

Wem werden die Gebetsanliegen anvertraut?
In der Regel wird jedes fürbittende Gebet als hilfreich empfunden. Doch gemäß der biblischen Aussage "viel vermag das inständige Gebet des Gerechten" (Jak 5,16) werden Gebetsanliegen vorzugsweise Personen anvertraut, die im Glauben verwurzelt sind und aus der Erfahrung der Nähe Gottes leben. Daraus erklärt sich der Brauch, eigene Gebetsanliegen den Ordensgemeinschaften, vor allem kontemplativen Klöstern, anzuvertrauen, also jenen Frauen und Männern, die aus dem Gebet heraus ganz auf Gott hin leben. In vielen Klöstern liegt ein "Fürbittbuch" aus oder ist ein besonderer Briefkasten für Gebetsanliegen installiert. Zunehmend bieten Klöster auch die Möglichkeit an, Gebetsanliegen online einzutragen (in der Erzdiözese Freiburg

Die katholische Tradition kennt nicht nur das das fürbittende Gebet der lebenden Mitchristen, sondern auch der Heiligen und Märtyrer sowie insbesondere der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, die ihrerseits um Fürbitte und Fürsprache bei Gott angerufen werden.

Fürbittendes Gebet in anderen Religionen
Daß das Beten und auch das fürbittende Gebet zum Menschen gehört zeigen die Gebetsfähnchen der Tibeter oder das Gebet der Juden an der Klagemauer des Tempelbergs in Jerusalem. Sie stecken Zettel mit ihrem Gebetsanliegen zwischen die Steine.

 

Dr. Norbert Kebekus

 

 

 

 

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