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Fürbittgebet

Teil der Eucharistiefeier

Nach dem Vorbild und dem Auftrag des Herrn ist der Christ gerufen, sich die Not aller Menschen zu Herzen zu nehmen und zu helfen, so weit er kann. Vordringlich soll das durch die Fürbitte geschehen. Darin liegt die Chance, die Sorgen und Anliegen der Menschen im Großen wie im Kleinen vor Gott zu bringen. Der entscheidende Impuls, das Fürbittgebet wieder zu erneuern und in die Messfeier aufzunehmen, ist vom II. Vatikanischen Konzil ausgegangen. Seitdem ist es fester Bestandteil jeder Eucharistiefeier.

Vom Sinn der Fürbitten
In den ersten christlichen Jahrhunderten wurde das Fürbittgebet als „das Gebet der Gläubigen“ schlechthin bezeichnet. Von allen Volksgebeten bei der Messfeier war das Fürbittgebet am bedeutsamsten. Die im Namen Jesu versammelte Gemeinde versteht sich als das lebendige, sichtbare Zeichen des Herrn. So wie Jesus, der erhöhte Herr, unablässig für uns beim Vater eintritt (vgl. Röm 8,27), so findet dieses Eintreten des Sohnes beim Vater im fürbittenden Gebet der Kirche sichtbaren Ausdruck. Wenn darum der Priester zusammen mit der Gemeinde fürbittend für alle Menschen vor Gott hintritt, dann tritt damit eigentlich Christus selbst vor den Vater. Aber auch der Vater seinerseits erblickt in der betenden Gemeinde seinen eigenen Sohn wieder.

Von daher wird die grundlegende Aussage über das Fürbittgebet verständlich: „In den Fürbitten übt die Gemeinde durch ihr Beten für alle Menschen ihr priesterliches Amt aus“ (Einführung in das Messbuch). So heißt „Fürbitten“ nichts anderes als: die Berufung aller Getauften zum gemeinsamen Priestertum in die Tat umsetzen.

Kennzeichen des Fürbittgebetes
Gerade im Fürbittgebet muss sich der Horizont der Gläubigen auf die Welt und die Menschheit hin weiten. Hier muss sich gewissermaßen ein „Fenster in die Welt“ auftun, denn für diese Welt trägt der Christ Verantwortung vor Gott. Entsprechend soll das Fürbittgebet von zwei Kennzeichen geprägt sein: von der Universalität und von der Aktualität. Es gibt kein Anliegen der Welt und der Menschheit, das in das Gebet vor Gott nicht eingebracht werden könnte und sollte. Immer wieder stehen wir in der Gefahr, über den eigenen Anliegen die ganze Vielfalt menschlicher Bedrängnisse und Nöte zu vergessen.
Neben der Universalität werden die Fürbitten aber auch von der konkreten gegenwärtigen Situation bestimmt sein müssen. Dabei geht es nicht um ein Modernsein um jeden Preis. Vielmehr spiegelt das aktuelle Fürbittgebet die Verantwortung des Christen wieder im Blick auf das, was hier und jetzt die Welt bedrängt und bedrückt. Was in der Welt geschieht, ist darum auch die wichtigste „Fundstelle“ des Fürbittgebetes.
Die beiden Kennzeichen Universalität und Aktualität für das Fürbittgebet ergeben sich aus der entscheidenden biblischen Stelle im 1. Brief des Apostel Paulus an Timotheus: „Als erstes fordere ich zu Bitten und Gebeten auf, zu Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen: für die Herrscher und für alle, die Macht haben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können" (1 Tim 2,1f).
Entsprechend dieser Weisung des Apostels Paulus soll das Fürbittgebet in der Eucharistie gestaltet werden. In der Regel sollen die Anliegen der Kirche ebenso wie die Bitten für alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen, laut werden; nicht weniger die Bitte für alle von verschiedener Not Bedrückten und für die Ortsgemeinde selbst, ja auch für die, die nicht mehr glauben und beten können. Es ist so, wie es Martin Buber einmal gesagt hat: „Von der Not eines jeden Menschen bleibt eine Spur in meinem Herzen eingeritzt. In der Stunde des Gebetes öffne ich meine Herz und sage: "Herr der Welt, sieh an, was hier geschrieben steht’“.


Dr. Klaus Stadel
Domkapitular und Liturgiereferent der Erzdiözese Freiburg

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