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Das Böse - der Drache

Dem Menschen zwingt sich die Frage auf, woher das Böse kommt. Denn es begegnet ihm auf jeden Fall, in Form von übler Nachrede, dass er belogen, bestohlen wird, dass ihm Gewalt angetan wird. Und es sind Gewitterstürme, Erdbeben, Tsunamis, die sein Leben beeinträchtigen. Es ist also zuerst die Realität des Bösen, mit der der einzelne konfrontiert wird. Aus dieser Konfrontation wächst die Frage nach Woher und Warum. Die Antwortmöglichkeiten sind groß. Prinzipiell kann man die Ursache des Bösen bei sich suchen oder es als Macht erfahren, die von außen in das eigene Leben eindringt. Für das Böse haben die Menschen früh Bilder gefunden. Eines der eindrücklichsten ist der Drache.

Lindwurm, Leviathan, Siegfried
Auf der ganzen Welt übt das Bild des Drachen Faszination aus und wirkt zugleich bedrohlich. Er wird als Bild des Bösen gebraucht. In der Bibel wird der Drache im Meer lokalisiert und zugleich als Himmelswesen gesehen.

Diese Vorstellungswelt ist älter als die jüdische Theologie. Zudem finden wir den Drachen nicht nur in unserem Kulturkreis. Unsere Vorfahren, vor allem in der Zeit der Romanik, haben sich mit dem Bösen im Bild des Drachen auseinandergesetzt. Wir finden die Darstellungen an den Türen und bis in die Gotik hinein sind die Wasserspeier als Drachenköpfe gestaltet. Der Drache speit Feuer und wird daher mit dem Ausbruch eines Vulkans verbunden.

Auch die Milchstraße verkörpert den Drachen. Es sind die vom Menschen nicht beherrschbaren Kräfte, die sich in dieser Tiergestalt verdichten. Manchmal gibt es eine Eruption des Bösen, meist wächst es unbemerkt, denn die Drachenzähne lassen das Böse immer wieder nachwachsen. Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist eine solche nachwachsende Saat, die man kaum fassen kann.

Das Krokodil wird mit Attributen des Drachen dargestellt:
„So kühn ist keiner, es zu reizen; wer könnte ihm wohl trotzen? Wer begegnete ihm und bliebe heil? Unter dem ganzen Himmel gibt es so einen nicht. Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß und mächtig, wie wohl geschaffen es ist. Wer öffnet die Hülle seines Kleides, wer dringt in seinen Doppelpanzer ein?
Wer öffnet die Tore seines Mauls? Rings um seine Zähne lagert Schrecken.
Reihen von Schilden sind sein Rücken, verschlossen mit Siegel aus Kieselstein. Einer reiht sich an den andern, kein Lufthauch dringt zwischen ihnen durch.Fest haftet jeder an dem andern, sie sind verklammert, lösen sich nicht. Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie des Frührots Wimpern. Aus seinem Maul fahren brennende Fackeln, feurige Funken schießen hervor. Rauch dampft aus seinen Nüstern, wie aus kochendem, heißem Topf. Sein Atem entflammt glühende Kohlen, eine Flamme schlägt aus seinem Maul hervor. Stärke wohnt in seinem Nacken, vor ihm her hüpft bange Furcht. Straff liegt seines Wanstes Fleisch, wie angegossen, unbewegt. Sein Herz ist fest wie Stein, fest wie der untere Mühlstein. Erhebt es sich, erschrecken selbst die Starken; vor Schrecken wissen sie nicht aus noch ein. Trifft man es, kein Schwert hält stand, nicht Lanze noch Geschoss und Pfeil. Eisen achtet es wie Stroh, Bronze wie morsch gewordenes Holz. Kein Bogenpfeil wird es verjagen, in Stoppeln verwandeln sich ihm die Steine der Schleuder. Wie Stoppeln dünkt ihm die Keule, es lacht nur über Schwertergerassel. Sein Unteres sind Scherbenspitzen; ein Dreschbrett breitet es über den Schlamm. Die Tiefe lässt es brodeln wie den Kessel, macht das Meer zu einem Salbentopf. Es hinterlässt eine leuchtende Spur; man meint, die Flut sei Greisenhaar. Auf Erden gibt es seinesgleichen nicht, dazu geschaffen, um sich nie zu fürchten. Alles Hohe blickt es an; König ist es über alle stolzen Tiere."
Hiob kap. 41,2-26

In der Gestalt des Krokodils wird der Drache als Geschöpf Gottes beschrieben. Er ist furchterregend, die Größe und Stärke Gottes scheint in dem Tier auf. Anders der Drache, von dem das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes spricht. Der Drache ist der Feind der Frau. Er bewohnt den Himmel. von hier leitet sich die Identifikation von Drache und Milchstraße her. In der Frau wird die Kirche dargestellt, der Drache will sie vernichten. In diesem Bild verdichten sich die Erfahrungen der ersten Christenverfolgung.

Die Frau und der Drache
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang."

Der Sturz des Drachen
„Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte. Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes und durch ihr Wort und Zeugnis; sie hielten ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod. Darum jubelt ihr Himmel und alle, die darin wohnen. Weh aber euch, Land und Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen; seine Wut ist groß, weil er weiß, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt.“

Offenbarung 12, 1-12

Von dieser Vision leiten sich die Darstellungen des Erzengels Michael her, der den Drachen besiegen kann. Dieser Kampf findet in Regionen oberhalb der Erde ab. Der Drache ist auch hier noch ein Gegner, der Gott anerkennt, denn er versucht den Gläubigen dadurch zu schaden, dass er als „Vater der Lüge“ diese vor Gott anschwärzt.

Der Kampf des Drachen gegen die Kirche
Weil der Drache aus dem Himmel gestürzt wurde, verfolgt er die Kirche auf der Erde. Der Drache wird zur Schlange, so wie der Versucher in der Geschichte vom Sündenfall beschrieben wurde.

Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte. Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliegen konnte. Dort ist sie vor der Schlange sicher und wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt.
Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete sich und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte. Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten."

Offenbarung 12, 1-17

Das Bild des Wassers in Verbindung mit dem Drachen findet sich an vielen mittelalterlichen Kathedralen. Dort sind die Wasserspeier am Dach als Drachenköpfe gestaltet.
Bilder vom Drachen finden sich auch in den Psalmen. Gott besiegt die Chaosmächte, er ist stärker als der Leviathan, ein Meeresdrache:
Doch Gott ist mein König von alters her, Taten des Heils vollbringt er auf Erden. Mit deiner Macht hast du das Meer zerspalten, die Häupter der Drachen über den Wassern zerschmettert. Du hast die Köpfe des Leviathan zermalmt, ihn zum Fraß gegeben den Ungeheuern der See.“
Psalm 74

 Im Psalm 104 wird der Leviathan als Geschöpf beschrieben, mit dem Gott sogar spielt:
Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.
Dort ziehen die Schiffe dahin, auch der Leviathan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen."

Psalm 104, 24-26

Die Schlange und der Apfel
In der Schlange kehrt der Drache in verkleinerter Form als Anstifter zum Bösen zurück. Wie ist aber die Geschichte vom Apfel zu verstehen? Bereits im 3. Kapitel der Bibel liest man von dem Sündenfall. Die Erzählung soll begründen, warum der Mensch außerhalb des Paradieses, jenseits von Eden leben und warum er sterben muss. Wir gehen im jüdisch-christlich geprägten Kulturkreis davon aus, dass Eva verbotener Weise von einen Baum gegessen hat, darauf hin wurden die Menschen aus dem Garten Eden vertrieben. Aber was ist geschehen, als beide in die Frucht bissen? Sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie erkannten ihre Sexualität und hatten damit ihre Unschuld, ihre kindliche Unbekümmertheit verloren. Daraus folgt deshalb der Tod, weil die Elterngeneration den eignen Kindern Platz machen muss. Freud wird dann, nach den Erfahrungen des 1. Weltkriegs, neben den Sexualtrieb etwas unverbunden den Todestrieb setzen. Die Bibel zeigte bereits, warum Sexualität und Tod logisch zusammenhängen.

Die eigentliche Erklärung des Bösen findet sich ein Kapitel weiter, das den Brudermord zum Thema hat.

Eckhard Bieger S.J.


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