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Das Böse - seine Darstellung

Krimi- und Gangsterfilm
Neben dem Drachen und anderen Bildern für den Teufel wird auch das Böse in Krimi- und Gangsterfilm immer wieder dargestellt, hier an menschlichen Protagonisten.

Vergleicht man deutsche mit amerikanischen Krimis, gibt es einen bedeutsamen Unterschied: Im deutschen Krimi, schon in Zeiten der UFA, beginnt das Verbrechen mit kleinen Unregelmäßigkeiten. Jemand fängt an, kleine Betrügereien oder Diebstähle zu begehen. Es geht immer so weiter, bis er sich plötzlich eine Blöße gegeben hat oder durch eine Ungeschicklichkeit beobachtet wurde. Er muss dann denjenigen umbringen, der ihm auf die Schliche gekommen ist. Oder der Mann hat eine Geleibte, ehe die Frau davon erfährt, bringt er sie um. Zugespitzt wird die Situation dadurch, dass z.B. die Frau das Hotel mit in die Ehe gebracht und der Mann ein Verhältnis mit einer Angestellten angefangen hat. Ob das der Mehrzahl der Mordtaten entspricht, sei dahin gestellt. Wichtig ist hier, dass den Deutschen ein bestimmtes moralisches Weltbild vermittelt wird, nämlich dass das Böse im Täter langsam heranreift, bis er in eine ausweglose Situation gerät, aus der er sich nur durch einen Mord befreien kann.

Der amerikanische Krimi und Gangsterfilm lässt das Böse von außen in eine an sich friedliche Gemeinschaft hereinbrechen. Gangster tauchen in einer idyllischen Farmlandschaft auf, ein Hai kommt aus den Tiefen des Meeres an einen Urlauberstrand, Außerirdische bedrohen die Bevölkerung. Es braucht dann den beherzten Amerikaner, der sich mit einer Flinte bewaffnet und sich dem Bösen entgegenstellt, um es in einem Schlusskampf zu besiegen. Nach dem amerikanischen Weltbild ist das Böse ursprünglich da, allerdings außerhalb der Grenzen. Es versucht ständig, in den durch Recht und Bürgersinn abgegrenzten Raum einzudringen, um die Menschen mit dem Tod zu bedrohen.

Genau dieses Szenario hat Al-Quaida perfekt in die Realität umgesetzt. Das Böse drang von außen, sogar mit Flugzeugen, in die amerikanische Gesellschaft und hatte nur Vernichtung im Sinn gehabt. Dass es einen Helden brauchte, um das Böse wieder aus dem Gelobten Land herauszuschaffen, war innerhalb des Weltbildes der Amerikaner nur logisch.
Das amerikanische Weltbild wurde aberweniger durch den Horrorfilm geprägt, sondern durch den Western. Hier wird eine Ursprungssituation inszeniert, in der das Recht noch nicht, wie im Krimi, errichtet ist, sondern der Western zeigt, wie aus einem rechtlosen Zustand ein durch Recht geordneter wird. Wie im Horrorfilm braucht es den beherzten Helden, der die Gangster zur Strecke bringt. Meist werden sie erschossen.

Western
Im Anklang an die Kain- und Abel-Geschichte gibt es in vielen Western den Gegensatz zwischen Vierzüchtern und Landbauern. Die Guten sind hier allerdings die Nachfahren von Kain. Wie kommt es zur Etablierung des Rechts, in dessen Auftrag der Sheriff tätig werden kann?
Für den Western gibt es bereits eine Rechtsgemeinschaft, jedoch noch nicht im Wilden Westen. Im Westen herrscht der, der über die meisten Waffen verfügt und die unbedenklichsten Gaunern angeheuert hat. Es kommt für den Helden darauf an, auch im Westen dem Recht Geltung zu verschaffen, das im Osten des Landes bereits durchgesetzt ist.

Der Sündenbock (erklärt nach René Girard)
Das, was wir heute als Mobbing bezeichnen, liegt am Beginn der menschlichen Kultur und damit auch vor einer Verhaltensordnung. René Girard versucht mit seinen Analysen möglichst nahe an den Übergang von tierischem Verhalten zur menschlichen Kultur zu kommen. Er sieht die ersten menschlichen Sippen dem nachahmenden Begehren schutzlos ausgeliefert. Die Zeit ohne kulturelle Regeln war äußerst bedrohlich für den Fortbestand des Menschen, denn nur diejenigen Gruppen haben überlebt, deren Mitglieder sich nicht gegenseitig umgebracht haben. Das ist gelungen, indem sie die angestauten Unzufriedenheiten, die sich zu Aggressionen verdichten, auf einen einzelnen Sündenbock leiten konnten, diesen ausstießen. Erst nach dem Mord am Sündenbock konnten Verbote gegen das Begehren aufgestellt werden. Girard geht davon aus, dass es eine reale Tötung am Anfang der menschlichen Kultur gibt, die sich in den Opferriten niedergeschlagen hat. Wie sind die Schritte in dem psychischen Prozess zu sehen?

Der Effekt des Mobbing, der realen Tötung ist erst einmal eine Entlastung von den negativen Gefühlen. Jetzt ist die Gruppe wieder handlungsfähig. Sie hat aber auch die Gefährlichkeit der durch Stimmungen und Gefühle bewirkten Gewaltbereitschaft erlebt und konnte sie gerade noch einmal loswerden. Es werden jetzt Regeln eingeführt, die die Objekte der Nachahmung mit einem Verbot umgeben. So können Männer nicht mehr mit Gewaltandrohung um eine Frau rivalisieren. Eigentumsrechte werden eingeführt. Auch eine Instanz, die für Streitfälle eine Autorität hat, kann etabliert werden. Dass es ein Gewaltmonopol der Stammesführung gibt, lässt sich noch nicht verwirklichen. Nicht nur im Western bleibt der Anhänger des Rechtsstaates Waffenbesitzer, es gilt noch heute für jeden US-Bürger. Blicken wir auf Europa, hat es z.B. in Deutschland das Duell bis ins 20. Jahrhundert gegeben. In Frankreich hatte bereits Richelieu mit drakonischen Maßnahmen das Duellverbot durchgesetzt. Er wollte die Adeligen lieber gegen den Feind ins Gefecht schicken. Rockerbanden setzen das Verbot immer wieder außer Kraft.
Die Hinrichtung des Sündenbocks wird rituell in Opfern darstellend wiederholt. Es können wie bei den Azteken Menschenopfer sein, oder Tiere werden stellvertretend geopfert. Mit dem rituellen Opfer werden die negativen Energien, die sich jedes Mal wieder ansammeln, herausgeschafft.


Eckhard Bieger S.J.


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