Medien und Öffentlichkeit

Skandal-Berichterstattung

Skandale interessieren die Leser

Skandale gehören zu den Themen, über die öffentlich verhandelt wird. Erst die Öffentlichkeit macht eine Unterschlagung, einen sexuellen Mißbrauch, einen Betrug zu einem Skandal. Die Medien gelten in der Einschätzung der meisten Institutionen deshalb als Gefahrenquelle, weil sie mit der Berichterstattung über eine Unterschlagung, sexuellen Mißbrauch u.a. das Interesse ihrer Leser, Zuschauer und Zuhörer gewinnen können. Deshalb werden Reporter und Filmteams in der Regel mit Skepsis empfangen, weil sie wahrscheinlich das für die Einrichtung Negative herausbekommen und zum Inhalt des Berichtes machen wollen. Es sind aus der Sicht der Verantwortlichen die Medien, die für die Skandale verantwortlich sind. Dabei übersehen die Verantwortlichen, daß die Kommunikationsstrategie der Institution in der Regel erst den Skandal produziert. Dafür muß man eine Grudnvoraussetzugn kennen, die die Arbeit der Journalisten bestimmt. Sie sehen nämlich die Leitungskräfte einer Sozialeinrichtung, einer Kirche, einer Bildungsinstitution als mit Macht ausgestattet, weil diese über Personal, Befehlsstrukturen und Finanzmittel verfügen. Das hat zur Folge, daß Journalisten die Personen, die mit Macht ausgestattet sind, erst einmal kritisch und nicht wohlwollend sehen. Da die Leitungskräfte auch die Kommunikation der Einrichtung nach außen bestimmen, hängt es von ihnen ab, ob aus einem Fehlverhalten ein Skandal wird.
Die Beobachtung zeigt, daß Skandale die notwendige Folge von Kommunikationsverweigerung sind. Die Verantwortlichen versuchen, den Vorfall zu vertuschen und wecken gerade dadurch den Jagdinstinkt der Journalisten, das herauszubekommen, was die Verantwortlichen nicht sagen. Und sie finden immer einen Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin, die etwas wissen und es nicht mehr für sich behalten, wenn sie beobachten, daß Journalisten die Sache aufdecken. Denn wenn die Medien sich eines Mißstandes annehmen, fühlt sich der einzelne geschützt und ist daher bereit, den Journalisten zu informieren.
Institutionen und Verbände, die sich gegenüber den Medien abschotten, produzieren über kurz oder lang einen Skandal. Weil sie verhindern wollen, daß Journalisten Negatives berichten, gewähren sie diesen keinen Einblick, verweigern Interviews und lassen Kamerateams nicht drehen. Dadurch erwecken diese Einrichtungen mit Notwendigkeit den Eindruck, sie hätten etwas zu verbergen. Passiert dann etwas Negatives, was sich nicht mehr verheimlichen läßt, ist das für die Medienleute der Beweis, daß die Einrichtung sich deshalb so abweisend gegenüber Interviewanfragen verhalten hatte, weil sie das Licht der Öffentlichkeit scheuen muß. Aus dem Negativen wird dann der Skandal konstruiert und zu einem noch größeren Erfolg, wenn der Tatbestand erst einmal geleugnet und nur in Teilen offengelegt wird.
Fehltritte lassen sich nicht vermeiden, sie erhalten in der Öffentlichkeit aber erst ein größeres Gewicht, wenn Öffentlichkeitsarbeit nur zögerlich oder abwehrend betrieben wird. Dann wird aus dem Fehlverhalten ein Skandal.

Eckhard Bieger

© www.kath.de

 

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