Medien und Öffentlichkeit

Öffentlichkeit

Öffentlichkeit ist der allen zugängliche Raum

Öffentlichkeit entsteht durch Kommunikation. Öffentlich ist die einzelne Meinungsäußerung, die im Raum der Öffentlichkeit zu Gehör gebracht wird. Die Öffentlichkeit ist somit einem Raum vergleichbar, der durch kommunikative Aktivitäten der Beteiligten strukturiert und ausgefüllt wird. Ein kommunikativer Raum wird dadurch öffentlich, daß er für möglichst alle zugänglich ist. Das verlangt eine Struktur und die periodische Organisation eines Forums bzw. eines Mediums, so z.B. das Gespräch auf dem Marktplatz oder im Wirtshaus nach dem Gottesdienst, die Mitgliederversammlung eines Vereins, der Landtag eines Schweizer Kantons, die täglich erscheinende Zeitung, die Nachrichtensendung, die Podiumsdiskussion in einem allen zugänglichen Saal, die
Diskussionsrunde im Fernsehen.
Öffentlichkeit braucht also immer Foren bzw. Medien, die den Raum vorgeben, in dem dann öffentliche Kommunikation stattfinden kann. Öffentlichkeit muß von den Beteiligten täglich oder in anderen Rhythmen durch Kommunikationsleistungen "hergestellt" werden. Präsenz im Raum der Öffentlichkeit ist also abhängig von der Aktivität der Beteiligten. Schweigt ein einzelner oder eine Gruppe, existiert er bzw. sie nicht öffentlich oder ist er nur in der Rolle des Zuhörers, des Beobachters, des Zeitungslesers und Fernsehzuschauers präsent und wird natürlich von denen, die sich in der Öffentlichkeit zu Wort melden, als Zuhörer gemeint. Allerdings ist die Rolle des einzelnen in verschiedenen Fällen nicht die des bloßen Beobachters. Das Geschehen in der Öffentlichkeit ist durch unterschiedliche Identifikationen bestimmt. Das ist durch die Organisation des Gesprächs in der Öffentlichkeit bedingt. Denn nicht jeder kann bei einer Versammlung reden, sonst würde ein Stimmengewirr entstehen. Deshalb müssen die Sprechmöglichkeiten reguliert werden. Das ist Aufgabe und Recht des Versammlungsleiters und bei technisch verbreitenden Medien Sache des Redakteurs. Die begrenzten Sprechmöglichkeiten für den einzelnen führen dazu, daß sich Zusammenschlüsse bilden, die als Gruppe durch einen Sprecher ihre Position im öffentlichen Raum zur Sprache bringen. Einzelne haben es schwerer, in der Öffentlichkeit zu Wort zu kommen. Sie müssen dafür eine bestimmte Qualifizierung mitbringen – als Fachmann, als Meinungsträger, die einer Position Ausdruck verleihen, die von keiner etablierten Gruppierung vertreten wird, oder als "Rebellen", die in einer Partei, Gewerkschaft, Kirche Widerspruch gegenüber den offiziellen Sprechern der Gruppierung anmelden. Diese Rebellen genießen die besondere Aufmerksamkeit der Medien.

Eckhard Bieger

 

 

 

 

© www.kath.de

 

Begriff anklicken

Agenda Setting
Aktualität
Diplomtheologen in den Medien
Fernsehen im Internet
Format
Gottesdienste im Fernsehen
Internet - das Besondere des Mediums
Internet - seine kommunikativen Funktionen
Internet im Medienvergleich
Internet und Zeitung
Kommunikationsmuster im Internet
Long Tail
Medienausbildung für Theologen
Medienpastoral
Mystagogische Bildregie
Non-Profit-Marketing
Öffentliche Meinung
Öffentlichkeit
Öffentlichkeit als Prozeß
Öffentlichkeitsarbeit PR
Öffentlichkeitsdilemma
Radio Vatikan
Periodizität
Religiöse Fernsehprogramme
Schweigespirale
Skandal-Berichterstattung
Wertorientierung