Medien und Öffentlichkeit

Medien&Öffentlichkeit

Kommunikationsmuster – ermöglicht durch das Internet

Jede Gesellschaft hat Medien, die bestimmte Kommunikationsmuster bedienen. Zum Autoverkehr gehört der Verkehrsfunk, zum Geschäftsleben das Telefon. Die Zeitung blättert man morgens durch, um sich einen Überblick über das zu verschaffen, was sich verändert hat, was passiert ist, denn die Zeitung druckt, was sich „gezeitigt“ hat. Da die Medien eng mit den alltäglichen Abläufen verwoben sind, ist den Nutzern kaum bewusst, wie die Medien Einfluss ausüben. Da das Internet jeden seiner täglich wachsenden Inhalte, ob Textseiten, Videos, Verzeichnisse, Emailadressen u.a. auf Abruf zur Verfügung stellt, haben die Nutzer das Gefühl, dass nicht das Internet sie steuert, sondern sie steuern sich selbst durch die digitalen Welten. Traute man früher der Zeitung, dem Kino und dann dem Fernsehen bei der Einführung des jeweiligen Mediums ein hohes Einflusspotential zu, so dem Internet kaum. Man beklagt allenfalls, dass die Surfer soviel Zeit mit dem Medium verlieren. Erstaunlich ist nur, dass sich keines der bisher genutzten Medien dem Einfluss des Mediums entziehen kann.
Die Zeitung muss nicht nur eine Onlineausgabe ins Netz stellen, sie verliert einen großen Teil ihrer Einnahmen, weil die Rubrikanzeigen auf Internetplattformen gewandert sind.
Das Fernsehen kann sich von seinem Programmschema verabschieden und wird zu einem Abrufmedium. Wie die Rubrikanzeigen der Zeitungen wird das Internet auch die Unterbrechung der Sendungen durch Fernsehspots außer Kraft setzen, weil diese in einem Abrufmedium nicht mehr funktionieren.
Die Nutzer sind davon nur wenig betroffen, denn sie bekommen den Service, den die Zeitung oder das Fernsehen bisher geboten haben, durch das Internet noch besser zugeliefert. Sie brauchen nur einen Computer mit einem Telefonanschluss. Je mehr sich die Mediennutzung der bisherigen Zeitung, des bisherigen Fernsehens, der Werbung, des Musikkonsums wie auch des Briefes und des Telefons in das Internet verlagert, desto mehr prägt das neue Medium die Kommunikationsmuster der Menschen um. Folgende Veränderungen lassen sich beobachten:

Orientierung über Ereignisse und Veränderungen

Je Internet-affiner die Nutzer, desto mehr geht die Nutzung der Zeitung zurück. Das gilt nicht nur für die gedruckte Ausgabe, die bei den Unter-Dreißigjährigen kaum noch Nutzer findet, sondern auch für die Onlineausgabe. Nicht mehr als 20% der Unterdreißigjährigen lesen die Onlineausgaben von Zeitungen. Die regelmäßige tägliche Zeitungslektüre verflüchtigt sich. Dieser Erkenntnis der Medienforschung liegt ein verändertes Kommunikationsmuster zugrunde. Man verschafft sich nicht mehr einmal am Tag mit einem durchschnittlichen Zeitaufwand von 15 Minuten für die Tagesschau und 25 Minuten für die Zeitungslektüre einen Überblick über das, was geschehen ist, sondern weiß die Nachrichten im Internet hinterlegt, so dass man jederzeit darauf zugreifen kann.
Fernsehen heißt im Tagesablauf, dass man freie Zeit mit den Geschichten füllt, die die verschiedenen Sender anliefern. Man kann dabei noch bügeln oder eine andere Tätigkeit verrichten, die nicht zuviel Aufmerksamkeit erfordert. Bisher hat das Fernsehen die Zuschauer durch das Programmschema an sich gebunden und zugleich den Tag strukturiert. Für die, die nachmittags schon vor dem Fernseher Platz nehmen können, wurden eigene Programme entwickelt, dann folgt das Vorabendprogramm und vor und um 21h die teuren Sendungen, weil hier die meisten Zuschauer zu erreichen sind.
Wie für die Medien, die sich mit ihrem Programm, ob in einer Zeitungsausgabe oder nach einem Programmschema geordnet, präsentieren, hat auch das Internet Nutzungsmuster hervorgebracht.
Wie für die anderen Medien braucht es auch für das Internet nicht nur verfügbare Zeit, sondern eine Ordnung der Inhalte. Diese sind im Internet nicht auf einer Zeitachse wie im Programmschema des Fernsehens, sondern im virtuellen Raum nebeneinander. Daher ähnelt das Internet eher einer Bibliothek als einem klassischen Medium, das periodisch erscheint. In der Bibliothek stehen inzwischen auch Spiele, Videos, Musikstücke. Hier haben sich zwei Ordnungsstrukturen entwickelt.

- Die Favoriten sind eine private Sammlung von Fundorten.
- Die Suchmaschinen sind eine Art Schlagwortregister.

Da die Suchmaschinen zu jedem Stichwort irgendwelche Fundorte anbieten, vermitteln sie die Sicherheit, auf jede Information in Sekunden zugreifen zu können. Ähnlich betritt man die Deutsche Bibliothek oder die Library of Congress mit dem Gefühl, in den Büchern oder Zeitschriften alles zu finden, was es zu wissen gibt.

Entscheidender als die Nachschlagefunktion der Suchmaschinen ist die Verweisfunktion des Internetnets. Ähnlich wie die Fußnoten in wissenschaftlichen Artikeln und Büchern hat das Internet ein Verweissystem aufgebaut. Nutzer machen sich auf andere Seiten, auf Musikstücke und Videos aufmerksam. Internet - das Besondere
Diese Verweisfunktion bringt auf Youtube einzelnen Videos viele Nutzer. Für das Ranking von Internetseiten sind neben der Zahl der Nutzer die Links, die auf die Seite verweisen, entscheidend.

Eckhard Bieger

© www.kath.de

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