Medien und Öffentlichkeit

Die kommunikativen Funktionen des Internets


Die Leistungen des Internets im Vergleich zu Zeitung und Fernsehen

Um das Internet zu verstehen, kann ein Vergleich mit den klassischen Medien die Erkennungsmarken bereitstellen, mit denen die kommunikativen Funktionen des Internets genauer erfaßt werden können. Sie ähneln in Vielem den Funktionen klassischer Medien, jedoch ist das Internet etwas Neues, keines der bisher gebrauchten Massenmedien. Es bietet sehr viel mehr Funktionen und ermöglicht auch kleinsten Gruppen eine weltweite Vernetzung. Das wird am Vergleich mit den Zeitung und Fernsehen deutlich.

Die Zeitung sagt bereits im Begriff, was sie leistet, nämlich das darzustellen, was sich „zeitigt“. Deshalb sind periodisches Erscheinen, möglichst jeden Tag, und Aktualität entscheidend für den Nutzwert der Zeitung. Sie deckt vor allem das Lokale ab, weiter die politischen Entwicklungen, die Vorgänge im Wirtschaftsleben, Börsen- und Rohstoffkurse sowie den Status einzelner Firmen. Kulturelle Ereignisse wie Neuinszenierungen, Kinostarts, Konzert- und Buchkritiken sowie Analysen der gesellschaftlichen Entwicklungen finden sich im Feuilleton. Sport und Reiseinformationen runden neben Rätsel, Fortsetzungsroman u.a. das Angebot der Zeitung ab.

Das Fernsehen funktioniert als Geschichtenerzähler. In den täglichen oder wöchentlichen Serien werden Endlosgeschichten erzählt. Mit Fernsehspielen und Kinofilmen werden die Zuschauer über große Zeit-Strecken gewonnen. Auch Turniere und Sportwettkämpfe sind in eine größere Inszenierung eingebaut, denn es geht bei Turnieren um den Endkampf, bei Autorennen und Fußballspielen um den Jahressieg. Viele Shows haben Wettkampfelemente und damit eine Dramaturgie, die sich um Sieg oder Niederlage dreht. Wenn das Fernsehen preiswert gemacht werden muß, sendet es Talkrunden oder spielt Gerichtsprozesse nach. Hinter allem steht die Frage des Gelingens. Während die Zeitung durch Wiedergabe der relevanten Vorgänge bis hin zum Wetterbericht Orientierung bietet, kann der Zuschauer mit dem Fernsehen Gelingen und Mißlingen durchspielen. Denn ohne das Risiko des Mißlingens gibt es keine Dramaturgie. Da der Zuschauer sich mit Helden identifizieren kann, geht es zuerst nicht um das Gelingen des eigenen Lebens, sondern um das Leben des Helden. Doch im Durchspielen der Geschichten spielt der Zuschauer auch sein eigenes Leben auf Gelingen und Mißlingen hin durch.

Das Radio bietet im Ablauf des Tages Nachrichten, für Autofahrer Staumeldungen und den Wetterbericht.
Als nebenbei genutztes Medium dient es durch den Musikfluß der emotionalen Abstützung. Seine Funktion, Geschichten zu erzählen, hat das Radio weitgehend an das Fernsehen verloren.

Das Internet wurde im Sinne der Wissensgesellschaft entwickelt. Alles Wissen soll jedem zugänglich gemacht werden. Daraus folgt die Funktion

Verlängertes Gehirn
Besser als eine Bibliothek bietet das Internet Zugang zu den verschiedensten Wissensquellen, auch zu Dokumenten, Zeitungsberichten und inzwischen auch zu Filmarchiven. Wikipedia, das von den Internetnutzern selbst ausgearbeitete Lexikon, steht für diese Funktion des Netzes.
Unter dem Stichwort „Das Internet im Medienvergleich“ wird aufgezeigt, wie das Internet in der Form von Onlinezeitungen, abrufbaren Radioprogrammen u.a. Verbreitungsplattform für die klassischen Medien geworden ist. Das Internet bleibt aber nicht Verteilstation, sondern bietet

Kommunikation und Communities
Im Internet können Leser, Hörer und Zuschauer einen Bericht, ein Programm sehr viel einfacher diskutieren als wenn sie einen Leserbrief schreiben. Das Fernsehen mit seiner schwerfälligen Produktionsapparatur ist für die Kommunikation mit dem Zuschauer noch weniger geeignet. Es kann allerdings den über das Telefon verbundenen Zuschauer in eine Live-Sendung einspielen. Das Internet bietet mit Foren, Chats und Email sehr viel mehr Möglichkeiten der Beteiligung und hat die Schwelle, sich überhaupt zu Wort zu melden, erheblich abgesenkt.
Weiter ermöglicht das Internet, Menschen zu treffen, die nicht in der Nachbarschaft wohnen. Interessengruppen, die sich z.B. um bestimmte Filme, Computerspiele, Reiseziele u.a. versammeln, können sich überörtlich vernetzen. Menschen, die unter einer seltenen Krankheit leiden, können mittels des Internets eine Community bilden. Nicht zu unterschätzen ist die kommunikative Funktion des Netzes für Menschen, die nicht in einer Großstadt leben und dort zu Fuß oder mit dem öffentlichen Nahverkehr spezialisierte Angebote wahrnehmen können.
Das Internet mit seinen neuen Formaten macht Bildung breiter zugänglich und bietet neue formen, Wissen zu vertiefen. s.Internet und Weiterbildung

Medienproduzent werden
Anders als Zeitung, Radio und Fernsehen ermöglicht das Internet, selbst Beiträge zu produzieren, auf einer eigenen Homepage, als Download von Gesprochenem und Gefilmten. Die Kosten für die Produktion sind so gering, daß niemand durch fehlende technische oder finanzielle Mittel gehindert werden kann, das zu veröffentlichen, was er zu sagen hat.

Eckhard Bieger in Zusammenarbeit mit Michael Belzer, Stefan Kemmerling, Manfred Lay, Jürgen Pelzer

© www.kath.de

 

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