Das Liturgie Lexikon

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Autor: Eckhard Bieger S.J.
© www.kath.de
Umsetzung:
B. Richter nach Vorlage von R. Jouaux


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Akolyth
Albe
Amikt
Angelusläuten - Engel des Herrn
Antiphonale
Asche
Asperges
Aufbau der Messe
Becher
Benedictus
Benediktionale
Birett
Bischofsstab
Brevier
Brot und Wein
Chormantel
Ciborium auch Ziborium
Dalmatik
Die Eröffnung der Messe
Eucharistie
Evangeliar
Exsultet
Hochgebet
Hore
Hände aufgelegen
Kasel
Kelch
Klapper
Kleine Hore
Knien, Kniebeuge
Kommunion
Kommunionmeditation
Kreuzzeichen
Laudes
Lektionar
Lektor
Leseordnung der ev. Kirche
Leseordnung der kath. Kirche
Licht
Liturgie
Liturgische Gewänder
Magnificat
Mahl
Manipel
Messdiener, Ministrant
Messgewand
Missale
Mitra
Monstranz
Mozetta
Mystagogie
Non
Oel, heilige Öle
Opfer
Osterwasser
Ostiarier
Pallium
Passahfest oder Pessach
Passion
Pontifikal, Pontifikale
Priester
Prim
Proskynesis
Psalter
Purpur
Quadragesima
Regina caeli
Ritus, Sinnhandlung
Rochett
Rubriken
Sakramentar
Sakramente
Salbung
Salz
Schlagen, an die Brust schlagen
Schola
Segen
Sext
Sitzen
Sonntag/Sabbat
Soutane
Stab
Stehen
Stundengebet, Stundenbuch
Subdiakon
Symbol
Talar
Te Deum
Terz
Tridentinischer Ritus
Vesper
Votiv- und Weihegaben
Wasser
Weihrauch
Weihwasser
Zeichen
Zingulum

 

 

Aufbau der Messe



Die Messe, wie sie Katholiken feiern, hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Im Abendland hat die in Rom entwickelte Form der Messe nicht zuletzt deshalb durchgesetzt, weil Karl d. Gr. sie für das Frankenreich verbindlich gemacht hat. In der Struktur unterscheidet sich die Form nicht wesentlich von den Liturgien der orthodoxen Kirchen und auch nicht von der Mailänder oder der mozarabischen, in Südspanien gefeierten Liturgie. Bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die Messe lateinisch gefeiert, bis das II. Vatikanische Konzil die Feier in der jeweiligen Volkssprache einführte. Der Vorteil für die Katholiken besteht darin, daß sie im Ausland dem Ablauf einer Messe folgen können, ohne alle Texte zu verstehen, denn die Messe hat immer den gleichen Aufbau.
Der ältere Teil der Messe ist der Mahlteil, der eucharistische Gottesdienst. Das Neue Testament berichtet, daß die Jüngergemeinde sich auch nach Jesu Tod im Abendmahlsaal getroffen hat. Aus dem 1. Korintherbrief des Paulus ist zu entnehmen, daß die Christen sich zu dem Gedächtnismahl trafen, das Jesus am Gründonnerstag eingesetzt hatte. Da die Christen sich anfangs noch als Teil des Judentums verstanden, besuchten sie die Synagogengottesdienste am Sabbat-Samstag und feierten das Gedächtnismahl am 1. Tag der Woche, der dann zum Wochenfeiertag, dem Sonntag wurde. Der Synagogengottesdienst bestand aus Lesungen und Gesängen und kannte auch die Auslegung der gelesenen Texte in einer Predigt. Mit dem Entstehen eigener christlicher Texte in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts und der wachsenden Distanz zwischen Synagoge und Kirche kamen zu dem Gedächtnismahl die Lesungen, Gesänge und Gebete des Wortgottesdienstes hinzu.
Die Messe in Rom wurde in den ersten Jahrhunderten auf Griechisch gefeiert. Papst Damasus (366-384) führte die lateinische Sprache ein. Immer wieder mußte das liturgische Leben und damit auch die Messe von Überwucherungen befreit und neu geordnet werden. Papst Gregor I. gab um 600 der Liturgie für die Stadt Rom eine so schlüssige Gestalt, daß die römische Liturgie für das Abendland maßgebend und von den Germanen übernommen wurde. Nach ihm ist auch der gregorianische Gesang benannt, der im Mittelalter im Frankenreich zu der Vollendung geführt wurde, die heute noch die Hörer fasziniert. Das Konzil von Trient (1551 wurde das Dekret über die Liturgie verabschiedet) regte eine Liturgiereform an, die von Pius V. umgesetzt wurde. Die Liturgiereform, die das II. Vatikanische Konzil in Grundzügen beschlossen hatte, wurde von Paul VI. in eine Form gegossen. An der Grundstruktur der römischen Messe haben diese Reformen nichts geändert.




EröffnungWortgottesdienst an SonntagenEucharestischer GottesdienstEntlassung
Einzug
Begrüßung
Schuld-
Bekenntnis
Kyrie
Gloria
Tagesgebet
Erste Lesung
meist aus dem Alten Testament

Psalm

Zweite Lesung
meist aus neutesta-mentlichen Briefen

Halleluja

Evangelientext

Predigt
Glaubensbekenntnis
Fürbitten
Kollekte und Gabenbereitung

Hochgebet:
Präfation
Sanctus
Epiklese
Einsetzungsworte
Anamnese
Intercessiones
Doxologie

Kommunionteil
Vater unser
Embolismus
Friedensgebet
Brotbrechen mit Agnus Dei-Gesang
Kommunionausteilung
Schlußgebet
Vermel-dungen
Segen
Entlassung :
Ite Missa est


An Werktagen und bei den meisten Heiligenfesten entfallen das Gloria, die Zweite Lesung, das Glaubensbekenntnis und meist auch die Predigt. Festliche Messen unterscheiden sich nur durch die musikalische Gestaltung.

Was erst einmal wie aufeinander folgende Einzelteile erscheint, hat eine innere Dramaturgie, die mit dem Thema der Feier zusammenhängt. Das Thema ist die Beziehung des Menschen zu Gott unter dem Vorzeichen, dass der Mensch nicht wie selbstverständlich in dieser Beziehung lebt. Der Mensch hat sich verloren, so daß Gott ihn heimholen musste - durch die Sendung seines Sohnes.

In der Eröffnung geht es darum, daß das Thema jeder Messe bereits anklingt. Der Vorsteher eröffnet nicht nur die Messe, sondern bringt die Gemeinde in Beziehung zu Gott. Die Gemeinde versteht sich im Sündenbekenntnis als erlösungsbedürftig. Sie begrüßt ihren Herrn (Kyrios ist das griechische Wort für Herr) und preist ihn im anschließenden Gloria.
Im Tagesgebet wird der Eröffnungsteil zusammengefaßt, deshalb hieß dieses Gebet früher "Collecta" von "Sammeln", das gleiche Wort wie Kollekte, in der bei der Gabenbereitung Geld gesammelt wird.

Der Wortgottesdienst thematisiert die Zuwendung Gottes und holt die Gemeinde da ab, wo sie herkommt: Dass die einzelnen während der Woche viele Erfahrungen machen mussten, die sie mit einer nicht-erlösten Welt und der eigenen Fehlerhaftigkeit und Bosheit konfrontierten. Wie kann Gott mich erlösen, wo doch viele Erfahrungen mir das Gefühl geben mussten, dass ich alles andere als erlöst bin? Die Lesungen, Gesänge, der Abschnitt, der aus einem der vier Evangelien verlesen wird und die Predigt sollen den einzelnen überzeugen, dass Gott, sicher anders als die Menschen erwarten, sein Werk der Erlösung vollbringt. Im Glaubensbekenntnis (Credo - Ich glaube) antwortet die Gemeinde auf die Lesungen und die Predigt und betet dann für die Anliegen der Zeit und der Kirche in den Fürbitten.

Eröffnung und Wortgottesdienst haben die Gläubigen in die Feier der Erlösung eingestimmt. Sie sind wieder in der Lage, Gott für Jesus zu danken, der die Erlösung in seinem Tod und seiner Auferstehung vollbracht hat und durch die Sendung des Geistes Anteil an dem neuen Leben gewährt, in das die Christen durch die Taufe bereits eingetreten sind. Die Eucharistie, die Danksagung, hat von Jesus die Form eines Mahles erhalten

Der eucharistische Teil der Messe hat als Grundstruktur ein Mahl, das nicht der Sättigung dient, sondern im Gedächtnis an Jesus Christus gefeiert wird. Es untergliedert sich in drei Teile:

  1. Gabenbereitung
    Brot und Wein werden zum Altar gebracht. Währenddessen findet eine Geldsammlung (Kollekte) statt. Die Gabenbereitung schließt mit einem eigenen Gebet, dem Gabengebet.

  2. Hochgebet
    Der Priester dankt im Namen der Gemeinde Gott für die Erlösungstat Jesu (Präfation), ruft den Heiligen Geist über Brot und Wein (Epiklese), spricht die Worte, die Jesus im Abendmahlssaal über Brot und Wein gesprochen hat (Einsetzungsworte), erinnert an Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung (Anamnese), und bittet in verschiedenen Anliegen (Intercessionen).
    Das Hochgebet schließt mit einem feierlichen Lobpreis, der Doxologie.

  3. Der Kommunionteil, in dem die Feiernden das gewandelte Brot und an einigen Tagen auch den gewandelten Wein empfangen, wird mit dem Vater Unser und einer Fortführung der Bitten des Vaterunsers, dem Embolismus eingeleitet. Es folgen ein Friedensgebet und der Friedensgruß. Während des Brotbrechens wird das Agnus Dei (Lamm Gottes, erbarme dich unser) gesungen. Dann empfangen die Feiernden Jesus Christus in den Gestalten von Brot und Wein. Auf die Kommunionausteilung folgt ein Danklied.


Entlassung
An das Schlußgebet, nach dem Ankündigungen für die Gemeinde ihren Platz haben, folgen Segen und Entlassung. Die Entlassung schließt nicht nur die Messe ab, sondern gibt ihr auch den Namen. Denn der Entlassungsruf "Gehet hin in Frieden" heißt lateinisch "Ite, missa est": Geht, es ist Sendung. Die Gläubigen sollen gestärkt in dem Glauben, dass Gott die Menschen liebt und sie in einem großen, die Zeiten überspannenden Erlösungsgeschehen heimholt, sich neu im Alttag bewähren und die für das reich Gottes gewinnen, mit denen sie während der Woche in Kontakt kommen.

Eckhard Bieger S.J.

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