Kirche in Deutschland
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Geschichte der Kirche in Deutschland

Bistum Hildesheim

Bistum Konstanz

Erzbbistum, Erzdiözese

Fidelis von Sigmaringen

Fridolin von Säckingen

 

Konrad, Bischof von Konstanz



Offizial

 

 

 

 

 

Geschichte der Kirche in Deutschland

Ein kurzer Überblick

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Die ersten Christen kamen als Kaufleute und Soldaten über das römische Straßensystem in das linksrheinische Deutschland und die Gebiete westlich des Limes. In den Städten wie Köln, Mainz, Speyer und auch Augsburg gab es bereits Bischöfe.
Als sich mit der Völlerwanderung im 4. und 5. Jahrhundert die römische staatliche Ordnung auflöste und die Bevölkerung nach Südeuropa auswich, wurde Deutschland wieder zum Missionsland. Ein wichtiges Datum war die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig am Weihnachtsfest des Jahres 498. Die Missionierung der germanischen Stämme, die die römischen Höfe übernahmen und rechts des Rheins eigene Siedlungen gründeten, erfolgte jedoch nicht vom Süden her, sondern von Irland und Schottland und später von England her. Auf dem Kontinent bestanden heidnische Kulte fort, so daß eine Vertiefung des Glaubens notwendig war. Missionsmittel war vor allem die Gründung von Klöstern. Der große Reformer wurde Bonifatius (672-754), ein englischer Benediktiner, der die Kirche neue ordnete, Klöster gründete und bei den Hessen, in Thüringen und im Friesland missionierte. Bonifatius hatte die Voraussetzungen geschaffen, daß sich unter Karl d. Gr. durch eine systematische Bildungspolitik, die Reorganisation und die Gründung neuer Klöster das Abendland entwickeln konnte.
Im Verlauf des Mittelalsters wuchs die Bevölkerung, die Landwirtschaft konnte mehr Menschen ernähren, so daß Städte entstehen konnten. Während die Abteien der Benediktiner und Zisterzienser landwirtschaftliche Zentren waren und damit nicht zum Kern für Stadtgründungen wurden, kamen im 13. Jahrhundert die Franziskaner und Dominikaner, wie auch die Augustiner und andere Orden in die Städte. Die Gotik bestimmte die Architektur und die anderen Künste.
Das Mittelalter war alles andere als eine harmonische Zeit, das 14. Jahrhundert war von Pestepedemien und großen innerkirchlichen Konflikten geprägt. In dieser Zeit entstanden Laienbewegungen wie die Beginen und Begarden. Das Mittelalter mündete in eine Zeit großer religiöser Unsicherheit. Anders als im 13. Jahrhundert waren die Menschen sich nicht mehr der Gnade Gottes sicher. Nach den Pestepedemien, den innerkirchlichen Auseinandersetzungen und den Kriegen waren die Menschen auf der Suche nach dem gnädigen Gott. Diese Befindlichkeit verdichtet sich in der Person Luthers, der die Theologie des Heidenapostels Paulus neu formuliert, indem er die Rechtfertigung zum zentralen theologischen Thema macht und damit der religiösen Sehnsucht des Zeitalters Ausdruck verleiht. Die mittelalterliche Ordnung, gegründet auf dem labilen Gleichgewicht zwischen Papst und Kaiser, zerbrach. Die Neuzeit war auch durch den Buchdruck mit bewegten Lettern und einer neuen Bildungsinitiative angebrochen. Auf evangelischer Seite war es Melanchton, auf katholischer Petrus Canisius, die über die Gründung von Bildungseinrichtungen den Menschen eine neue geistige und religiöse Basis gaben.
Da der Kaiser auf Seiten der katholischen Konfession geblieben war, brauchte Luther die Unterstützung der Fürsten. Diese nutzen die neue religiöse Bewegung, um sich vom Kaiser unanhängig zu machen. Diese aus dem Mittelalter bekannte Verknüpfung von Religion und Politik mündete in einen Konfessionskrieg, der als Dreißigjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist. Dieser Krieg zerrüttete nicht nur die Lebensgrundlagen der Bevölkerung, sondern verband das Thema Religion mit traumatischen Erfahrungen von Gewalt. Am Ende dieses Krieges mit unzählig vielen Schlachten gab es über 300 deutsche Staaten und reichsfreie Städte. Die Religion der Untertanen war durch den Fürsten vorgegebne. Da die meisten der Staaten protestantisch geworden waren, lebten die Katholiken meist unter dem Krummstab, d.h. gehörten zu einem Bistum oder einer Abtei, deren Bischof bzw. Abt zugleich Landesfürst waren.
Nach dem langen Bürgerkrieg folgte im Barock eine Zeit des Aufbaus. Inspiriert war der Barock von Rom her und daher eher in den katholischen Regionen prägend. Der Barock war universell, Naturwissenschaften wurden gepflegt. Seit Leibniz und Newton die Berechnung von Kurven entwickelt hatten, konnte sich in der Architektur ein großer Formenreichtum entwickeln. Musik, Theater und Theologie fanden zu einer Einheit, wie sie vorher nur das hohe Mittelalter gekannt hatte.
Die umgreifende Idee des Barock hatte sich Ende des 18. Jahrhunderts erschöpft. Er wurde durch die kritische Rationalität der Aufklärung abgelöst, die in der französischen Revolution sich politisch Bahn brach. Ziel waren die Freiheitsrechte des einzelnen Bürgers, Bildungschancen für jeden und die Einführung demokratischer Strukturen. Auch diese geistige Bewegung führte zu einem europweiten Krieg, der Kriegsbringer war Napoleon. Als dieser besiegt war, wurden beim Wiener Kongreß die duetsche Kleisntaaterei überwunden. Es entstanden sehr viele größere Königreiche und Großherzogtümer, Bayern erhielt z.B. die heutigen fränkischen Regierungsbezirke. Die katholischen Bischöfe und Äbte waren 1803 in der Säkularisierung bereits durch Napoleon abgesetzt und deren Ländereien den deutschen Staaten übergeben worden. Nach dem Wiener Kongreß fanden sich die meisten Katholiken, außer in Bayern, unter protestantischen Fürstenhäusern wieder. Es wurden neue Bistümer wie Limburg, Rottenburg, Freiburg gegründet. Insgesamt wurden die Bistumsgrenzen auf die Ländergrenzen abgestimmt, so daß die Bistümer Mainz, Passau und Speyer heute sehr viel kleiner sind als vor der napoleonischen Zeit.
Mit dem Parlament in der Paulskirche von 1848 gab es eine neue Demokratiebewegung, von der vor allem die Katholiken profitierten, weil sie Religionsfreiheit erhielten. Die Theologie stand in Auseinandersetzung mit der Infragestellung aller Glaubensartikel durch die aufklärerische Philosophie. Wunder und Auferstehung Jesu wurden angezweifelt, die Gottessohnschaft Jesu abgelehnt. Trotz dieses eisigen Windes, der der Religion ins Gesicht blies, kam es ab Mitte des Jahrhunderts zu einem großen religiösen Aufschwung. vor allem unter den Katholiken. Orden und Diakonissenstifte für die Krankenpflege wurden gegründet, die katholische Kirche entwickelte eine eigene Soziallehre, die durch das Zentrum im Parlament vertreten wurde und organisierte viele Menschen in ihren Verbänden. Da die katholische Kirche stärker an der bereits im Mittelalter erkämpften Trennung von Staat und Kirche festgehalten hatte und die Katholiken in den meist von protestantischen Fürsten regierten Staaten weniger Chancen hatten, entwickelten sie in ihrer Kirche starke Strukturen. Die internationale Ausrichtung der katholischen Kirche entsprach nicht den starken nationalen Tendenzen des 19. Jahrhunderts, so daß Bismarck das Erstarken des katholischen Lebens mit dem Kulturkampf einzudämmen versuchte, dadurch aber den Katholizismus nur stärker machte.
Bereits im 18. Jahrhundert nutzten die Theologen die Methoden der Literatur- und Geschichtswissenschaften, um die Bibel besser zu verstehen und die Theologen der ersten christlichen Jahrhunderte zu edieren. Die Romantik, die die katholische Welt mehr prägte, führte zu einer Renaissance des Mittelalters. Dome und Kirchen wurden zu Ende gebaut, so der Kölner Dom und das Ulmer Münster. In den durch die Industrialisierung neu entstehenden Stadtvierteln wurden neugotische und neoromanische Kirchen gebaut. Der Karneval lebte neu auf.
Nach dem ersten Weltkrieg mußten Kaiser und Fürsten abdanken, in den deutschen Ländern wurde die Demokratie endgültig eingeführt. Für das religiöse Leben wurden dadurch neue Freiräume geschaffen. Die Theologie entwickelte sich stark.
Der Nationalsozialismus entwickelte sich immer kirchenfeindlicher und konnte in den nur 12 Jahren seines diktatorischen Regimes den Kirchen großen geistigen und materiellen Schaden zufügen.
Die Bundesrepublik besann sich nach den Erfahrungen mit Nationalsozialismus und auch Kommunismus auf das christliche Wertesystem. Die katholische Soziallehre wie Denkschriften der evangelischen Kirche beeinflußten die Gesetzgebung in hohem Maß.
Die katholische Kirche wurde durch das II. Vatikanische Konzil (1962-65) geprägt. Die bisherigen Seelsorgsstrukturen der Pfarrei, der Ordenshäuser und Sozialen Einrichtungen wurden beibehalten, jedoch kam es zu dem Aufbau von Laiengremien, die in gewisser Weise die Organisationsform der katholischen Verbände ablösten.
Geistig waren die Kirchen seit Ende der sechziger Jahre mit einer zweiten Aufklärung konfrontiert. Die Achtundsechziger-Bewegung war kirchenkritisch und suchte ihre Fundamente beim frühen Marx, der im Anschluß an Ludwig Feuerbach die Existenz Gottes ablehnte, weil diese die freie Entfaltung des Menschen und damit den Fortschritt behindert. In der DDR sah sich besonders die evangelische Kirche einer Zermürbungsstrategie der kommunistischen Partei ausgesetzt, die wie schon die Nazis die christliche Symbolik durch sozialistische ersetzte. Hauptstreitpunkt war die Konfirmation, gegen die die DDR die Jugendweihe setzte.
Seit durch die ökologischen Probleme und die wachsende Arbeitslosigkeit der die Moderne tragende Glaube an den Fortschritt seine Kraft eingebüßt hat, kommt es seit Mitte der achtziger Jahre zu einem neuen Interesse am Religiösen, das sich vor allem am Erfolg von religiösen Fernsehprogrammen und Zugriffszahlen auf Internetseiten mit religiösen Inhalten zeigt. Spiritualität ist die Ausdruckform dieses neuen religiösen Interesses.

Eckhard Bieger S.J.

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