Kirche in Deutschland
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Geschichte der Kirche in Deutschland

Bistum Hildesheim

Bistum Konstanz

Erzbbistum, Erzdiözese

Fidelis von Sigmaringen

Fridolin von Säckingen

 

Konrad, Bischof von Konstanz



Offizial

 

 

 

 

 

Bistum Konstanz

Großes Bistum im Südwesten


Die Universitätsstadt und „Bodenseemetropole“ Konstanz war vom 6. Jahrhundert bis 1821/27 Sitz eines der flächenmäßig größten Bistümer im deutschen Sprachraum. Das Bistumsgebiet erstreckte sich im ausgehenden Mittelalter vom Gotthardpaß im Süden bis in den Raum Stuttgart/Ludwigsburg im Norden, vom Rhein im Westen bis zur Iller im Osten und umfaßte erhebliche Teile der heutigen (Erz)Bistümer Augsburg, Freiburg, Rottenburg-Stuttgart (Deutschland), Feldkirch (Österreich), Basel-Solothurn, Chur und St. Gallen (Schweiz) . Entstanden war es ursprünglich als alemannisches Stammesbistum. Seine größte politische und kirchliche Bedeutung erreichte es zur Zeit des Konstanzer Konzils (1414-18), als sich in Konstanz für knapp vier Jahre faktisch das Zentrum der römisch-katholischen Kirche befand. Insgesamt aber erlangte es nie die kirchenpolitische Bedeutung, die ihm angesichts seiner Ausdehnung angestanden hätte. Grund dafür waren seine Unterordnung als Suffraganbistum unter den Erzbischof von Mainz, die Zugehörigkeit zu einer Unzahl von kleinen und kleinsten Staatsgebilden, das geringe politische Gewicht seines nur kleinen Hochstiftes und die damit verbundene, fast immer prekäre wirtschaftliche Situation.
Als die Stadt Konstanz nach der Reformation protestantisch wurde, verlegte der Bischof seine Residenz dauerhaft nach Meersburg. Die grundlegende territoriale Neuordnung Mitteleuropas im Gefolge der Französischen Revolution, der Säkularisation und Mediatisierung sowie der Napoleonischen Kriege, aber auch die römische Gegenreaktion gegen nationalkirchliche Bestrebungen und die in Konstanz deutlich wirksame katholische Aufklärung führte zur Aufhebung des Bistums durch die päpstliche Bulle „Provida solersque“ vom 16. August 1821. Zuvor waren seit 1815 schon die schweizerischen, württembergischen, bayerischen und österreichischen Teile abgetrennt worden, und nach dem Tod des letzten Bischofs Karl Theodor von Dalberg am 10. Februar 1817 war und blieb der Bischofsstuhl vakant. Bis zum faktischen Ende des Bistums durch die Inthronisation des ersten Freiburger Erzbischofs Bernhard Boll am 21. Oktober 1827 verwaltete Ignaz Heinrich von Wessenberg als – vom Heiligen Stuhl nicht anerkannter – Bistumsverweser das nunmehr auf die badischen Anteile geschrumpfte, lediglich durch die rechtsrheinischen Teile des Bistums Straßburg etwas vermehrte Restbistum.

Dr. Christoph Schmider, Leiter des Erzbischöflichen Archivs Freiburg

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