Reisen&Wandern

Inhaltsverzeichnis

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Tipps - Buchen der Unterkunft
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Tipps - Schuhauswahl für Rucksackwanderungen

Tipps - Schuhe schnüren
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Jakobsweg Lahn-Camino
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Jakobsweg – Der Lahn-Camino


Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein

Der Lahn-„Camino“ ist eine Teilstrecke des Jakobsweges, der durch das Bistum Limburg führt. Er folgt weitgehend dem Lahnhöhenweg (schwarzes „L“ auf weißem Grund ) auf der linken Seite des Flusses, der als heute gangbarer Weg der mittelalterlichen Jakobspilger angesehen werden kann.
Der Lahn-Camino beginnt in Wetzlar am Dom, in dessen Portal Jakobus mit der Muschel dargestellt ist. Via Lahnhöhnweg geht es weiter nach Villmar, wo in der Pfarrkirche ein barocker Jakobusaltar zum Gebet einlädt. Über Runkel geht es vorbei an Dietkirchen mit der Lubenstius-Basilika (hier kann eine sehr schöne alte Jakobusskulptur bewundert werden) weiter nach Limburg. Im Dom befindet sich in der Emporenlimette ein Brustbild des Apostels der Pilger und Wallfahrer. Über Diez , und Obernhof mit Kloster Arnstein, in dem wahrscheinlich früher die Santiagopilger übernachtet haben. Die nächsten Stationen sind Nassau und Misselberg. Von hier aus lohnt sich der Abstecher hinunter nach Dausenau zur evangelischen Kirche St. Kastor. In deren Altarraum wurden bei der Renovierung 1864 mittelalterliche Fresken gefunden, die als Fries um den Chorraum verlaufen. Sie zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu, die sich mit Apostelfiguren abwechseln. Eine davon stellt Jakobus den Älteren dar, allerdings noch nicht mit der Muschel als Erkennungszeichen, sondern mit dem Evangelium in der rechten Hand, während sich seine linke Hand auf ein Schwert stützt. Durch das Schwert nämlich erlitt er im Jahre 44 das Martyrium im heiligen Land, in das er nach seiner Mission in Spanien zurückgekehrt sein soll. Daneben sind weitere Wandmalereien und ein herrlicher Flügelaltar der Betrachtung wert. Bei Ausgrabungen in der St. Kastorkirche wurde auch eine Jakobsmuschel gefunden, die wahrscheinlich von einem mittelalterlichen Pilger stammt. Diese echten Jakobsmuscheln wurden von den Pilgern im Mittelalter in Santiago als Nachweis ihrer erfolgreich absolvierten Pilgerreise zum heiligen Jakobus gekauft oder in Finisterre (finis terrae, Ende der Welt), einem Ort an der Küste, gesammelt. So konnten sie nachweisen, dass sie wahrhafte Jakobspilger sind – darauf spielt auch das Sprichwort vom wahren Jakob an. Der Lahn-Camino führt durch Bad Ems zu seinem Ende in Lahnstein. Versteckt in Oberlahnstein liegt die wieder errichtete Hospitalskirche, die der Verehrung des heiligen Jakobus gewidmet ist. Ab hier sind es dann noch ziemlich genau 2200 Kilometer bis Santiago de Compostela.

Welche Bedeutung über das Religiöse hinaus der Jakobsweg hat, macht ein Ausspruch Goethes deutlich „Europa ist auf der Pilgerschaft geboren und das Christentum ist seine Muttersprache.“ Wohl auch wegen dieser Erkenntnis erklärte der Europarat im Jahre 1987 die historischen Jakobswege zur „Ersten Europäischen Kulturstraße“. Als europäisches Phänomen seien sie geeignet, das Bewußtsein für die kulturelle Identität Europas und seine abendländische Erbschaft zu fördern. Auf diese Weise könne Europa als Raum der Begegnung und des gegenseitigen Kennenlernens erfahrbar gemacht werden.

Helmut Zimmermann

 


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