Das Kirchenjahr

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Autor: Eckhard Bieger S.J.
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Umsetzung:
J. Pelzer nach Vorlage von R. Jouaux


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Christkönigs-Sonntag
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Kartage, Karwoche
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Rorate-Messen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
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Siebenschläfer 27. Juni
Silvester, 31.12.
Skapulierfest
Sonntage nach Trinitatis
Stephanstag 26.12.
Taube und Feuerzungen
Taufe Jesu
Thanksgiving
Toten- oder Ewigkeitssonntag
Unbefleckte Empfängnis 8. 12.
Unschuldige Kinder
Valentinstag 14. Februar
Vatertag
Verklärung Jesu 6. August
Verkündigung d. Herrn 25.3.
Weiberfastnacht
Weißer Sonntag
Weihnachten
Weihnachtsbaum
Weihnachtsmann
Weltfriedenstag
Weltgebetstag der Frauen
Wintersonnenwende

 

 

 

 

Weihnachten

Die Bedeutung des des Festes

Uns erscheint Weihnachten als das eigentlich christliche Fest. Gott wird Mensch, er erbarmt sich der Sünder, er ist solidarisch mit den Armen. Ist unsere Rettung nicht schon geschehen, wenn die Hirten das Kind in der Krippe verehren und die drei Weisen aus dem Morgenland, im Traum durch einen Engel gewarnt, Herodes den Aufenthaltsort des Kindes nicht verraten? Woher sollten die Zeitgenossen Jesu aber wissen, daß er der erwartete Messias, der Gesalbte, der Erretter Israels tatsächlich ist? Was sich in der Verfolgung durch Herodes und im Kindermord von Bethlehem schon andeutet, dieses Kind wird keinen einfachen Weg gehen. Als junger Mann wird er am Kreuz enden und damit werden erst einmal alle Hoffnungen zerstört. Daher war die Auferstehung, mit der die Jünger nach dem Desaster des Karfreitages nicht gerechnet hatten, der eigentliche Wendepunkt. Weihnachten war für die ersten christlichen Generationen von nachrangigem Interesse. Erst die Begegnung mit dem griechischen Kulturkreis forderte die Christen, sich nicht nur mit dem Schicksal des in Betlehem geborenen Kindes auseinanderzusetzen, sondern mit der Person Jesu. Weihnachten hat theologische Wurzeln, die bis in das Brauchtum heute noch lebendig sind. Warum führte das griechische Denken zu Beginn des 4. Jahrhunderts den christlichen Glauben in eine Krise?
Es war der strikte Monotheismus, der vor allem durch die Philosophie im Rückblick auf Platon entwickelt worden war. Dieser hatte sich bereits von den Göttervorstellungen der Sagenwelt gelöst und die Idee der Einheit entwickelt. Das Vollkommene konnte nicht aus Vielem bestehen, je vollkommener desto größer die Einheit. Wenn Gott einer ist, dann kann Gottes Sohn nicht wirklich Gott sein, sondern er ist ein Geschöpf, sicher das erste und am höchsten stehende Geschöpf, aber doch geschaffen. Der Priester Arius propagierte diese Sicht und fand in Athanasius, dem Patriarchen von Alexandrien, seinen Widerpart. 325 entschied das von Kaiser Konstantin einberufene Konzil von Nicäa, daß der Sohn wesensgleich mit Gott, dem Vater ist, "nicht geschaffen, sondern gezeugt, Gott von Gott, wahres Licht vom wahren Licht, eines Wesens mit dem Vater", wie es im Glaubensbekenntnis bis heute in den Kirchen in Ost und West heißt. Die Bedeutung dieses Bekenntnisses für den westeuropäischen Raum zeigt sich daran, daß der Frankenkönig Chlodwig am Weihnachtstag 498 getauft wurde, Karl d.Gr. wurde an Weihnachten im Jahr 800 in Rom zum Kaiser gekrönt, 831 hat eine Synode in Mainz den Weihnachtstermin am 25. Dezember bestätigt. Wie kommt es aber zum Termin für Weihnachten am 25. Dezember? Volkskundler behaupteten, der Festtermin leite sich vom germanischen Julfest her. Das lag aber im Januar und eine Weihnachtstradition gibt es Jahrhunderte vorher schon in Rom. Da es für den Geburtstermin Jesu, anders als für den Tag seiner Hinrichtung, keine Überlieferung gab, mußte man den Termin durch genaues Studium der biblischen Texte erschließen. In der Bibel findet sich nur eine Angabe, nämlich daß Jesus 6 Monate nach Johannes d. Täufer geboren wurde. (Lukas 1,26.) Um aus dieser Angabe einen Termin herauszulesen, konnten die Christen das Johannesevangelium zu Rate ziehen. Dort wird folgendes Wort des Täufers über Jesus berichtet: "Ihr selbst könnt mir bezeugen, daß ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht ... Er muß wachsen, ich aber muß kleiner werden." (Joh 3,28) Dieses Wort wurde auf die Sonne bezogen. Nach dem Fest des Täufers nimmt die Sonne ab, nach dem Fest der Geburt Christi nimmt die Sonne zu. Daher liegt das Geburtsfest des Täufers auf dem Tag der Sommersonnenwende, der Geburtstag Jesu auf dem der Wintersonnenwende. Weihnachten, 25.12
In den Evangelien finden sich die Berichte und theologischen Aussagen, die bis heute dem Weihnachtsfest seine innere Kontur geben. Am meisten hat der Evangelist Lukas den Charakter des Festes mit folgenden Erzählungen geprägt.
- Verkündigung des Engels Gabriel an Maria
- Besuch Marias bei Elisabeth
- Herbergssuche
- Geburt im Stall
- Verkündigung an die Hirten
- Beschneidung und Darstellung Jesu im Tempel
- Der Zwölfjährige im Tempel
Hinzu kommen die Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers an seinen Vater Zacharias und der Bericht von der Geburt des Johannes. Matthäus berichtet ebenfalls, daß Maria schwanger geworden war, ohne daß sie mit Joseph zusammengekommen war, sowie von der Geburt in Betlehem. Bei ihm finden sich die Berichte von den drei Sterndeutern, die das Kind in Betlehem finden, über den Kindermord in Betlehem und die Flucht nach Ägypten. Diese Erzählungen verstehen sich nicht als Reportagen, sondern sagen, wer dieses Kind ist. Bei der Geburt des Johannes fragen sich die Nachbarn: "Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, daß die Hand des Herrn mit ihm war." (Lukas, 1,66) Die Geburt Jesu wird den Hirten durch einen Engel erklärt. "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr." (Lukas 2, 11) Als die Eltern das Kind entsprechend dem jüdischen Gesetz 40 Tage nach der Geburt in den Tempel bringen, werden sie schon von Simeon erwartet, der das Kind mit folgenden Worten empfängt:
"Nun entläßt du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel." (Lukas 2, 29-32)
Die Heiden haben nach der Erfahrung der Christen die Botschaft von der Erlösung offener aufgenommen als das jüdische Volk. Deshalb konnten sich viele aus dem Heidentum bekehrte Christen mit dem Bericht von den drei Sterndeutern identifizieren. Die von Herodes erzwungene Flucht nach Ägypten besagt nicht nur, daß diesem Kind Gewalt droht, sie charakterisiert für Kenner es Alten Testaments Jesus als den neuen Moses. Moses war ebenso als Kind mit dem Tod bedroht, wie Moses kommt Jesus aus Ägypten. Die Evangelien des Markus und des Johannes überliefern nichts von der Geburt Jesu und aus seiner Kindheit. Markus eröffnet sein Evangelium mit der Taufe Jesu. Johannes stellt diesem ersten öffentlichen Auftritt Jesu einen Hymnus voraus, der sagt, wer dieser Jesus ist: Gottes Wort, der von Anfang an bei Gott war, durch den alles geschaffen ist.
Auch die Reaktion auf Jesus wird schon wie in einer Ouvertüre angekündigt: Die Finsternis hat das Licht, das aufgeleuchtet ist, nicht erfaßt. Die Welt erkannte den, durch den alles geschaffen ist, nicht. Diejenigen, die ihn aufnahmen, wurden zu Kindern Gottes. "Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht; er hat Kunde gebracht." (Joh 1, 18) Sowohl bei Johannes wie bei Lukas klingt die Lichtthematik an, Jesus ist das Licht, das die Heiden erleuchtet, das in die Finsternis kommt.
Der Weihnachtsbaum ist nicht nur deshalb zum Zentrum des Weihnachtszimmers geworden, weil das Grün im Winter symbolisiert, daß das Leben trotz de rKälte weiter geht, er ist auch das Gegenbild zum Paradiesesbaum, von dem das Unheil ausgegangen ist, aus dem das Kind die Menschheit erretten wird. Das Kind wird mit ausgebreiteten Armen in die Krippe gelegt, weil so auf die Kreuzigung hingedeutet wird. Ein Charakteristikum der Predigt Jesu klingt bei der Geburt schon an: Die kleinen Leute, die Hirten, werden als erste auf die Geburt hingewiesen, die Mächtigen in der Gestalt des Herodes reagieren mit Angst und daraus folgender Gewalt. Trotz allen Konsums, trotz Wintersport und andere heutigen Arrangements um das Weihnachtsfest herum dringt die Botschaft des Kindes aus der Krippe weiterhin bis in die Herzen der Menschen.

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